Moderne Mobilitätslösungen können selbst eine Stadt wie Wien mit ihrem hervorragend ausgebauten Verkehrssystem noch attraktiver machen.
Der Verkehr fließt: Verkehrszentralen, Niederflur-Tramwagen – die so genannten ULF (Ultra Low Floor) – und viele weitere Maßnahmen machen Wien zum Vorbild für ganzheitliche Verkehrskonzepte.
Viel Licht für wenig Strom
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Mobilität ist die zentrale Herausforderung von Megacities mit über zehn Millionen Einwohnern, so eines der Resultate der Studie "Megacity Challenges", die Siemens 2007 beim britischen Forschungsinstitut MRC McLean Hazel in Auftrag gegeben hatte. Dass dies auch für kleinere Metropolen wie Wien mit seinen 2,5 Millionen Einwohnern gilt, zeigt die aktuelle Folgeanalyse desselben Instituts: "Wien – Modellstadt für moderne Mobilität. Studie zur Complete Mobility". Dabei bestätigen die Experten, dass die Donaumetropole eine der attraktivsten Städte der Welt ist – eine Modellstadt für moderne Mobilität. Wien profitiert als zentrale Verkehrs- und Logistikdrehscheibe im Zentrum Europas vor allem von einem langfristig geplanten Gesamtkonzept über alle Verkehrsarten hinweg. So wird die Gleichberechtigung von öffentlichen Verkehrsmitteln sowie Fahrrad- und Fußgängerverkehr propagiert und dem Autoverkehr in der Innenstadt nur niedrige Priorität eingeräumt – Wien setzt konsequent auf den Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV).
"Die Studie macht transparent, wie Wien ein effizientes Verkehrskonzept, das für Städte und Ballungsräume auf der ganzen Welt ein Vorbild sein kann, beispielhaft in die Praxis umsetzt", beurteilt Dr. Hans-Jörg Grundmann, Chef der Siemens-Division Mobility, den Wiener Masterplan "Verkehr 2003", auf dem die Maßnahmen bis zum Jahr 2020 basieren.
Im Großraum verfügt Wien mit 227 km über eines der größten Straßenbahnnetze weltweit. Das mehr als 960 km lange Nahverkehrsnetz der Verkehrsbetriebe Wiener Linien umfasst 116 U-Bahn-, Straßenbahn- und Buslinien mit 4.559 Haltestellen, die von keinem Ort in der Stadt mehr als 15 Minuten Fußweg entfernt sind. Aktuell liegt der Anteil des ÖPNV am Gesamtverkehr unter der Woche bei 35 %. Dies ist ein internationaler Spitzenwert, den die Wiener Linien bis 2013 mit Investitionen von 1,8 Mrd. € auf 40 % steigern wollen – etwa mit der Verlängerung von U-Bahn-Linien sowie mit neuen Straßenbahnlinien in den Außenbezirken.
Im Sommer 2009 wurde zudem ein übergreifendes Verkehrsmanagement-Projekt eingeführt, von dem pro Tag 200.000 Pendler profitieren. Es ermöglicht eine Routenplanung und Fahrzeitberechnung in Echtzeit über alle Verkehrsarten hinweg; gespeist wird das System von vielen Verkehrsdaten, die zum Großteil von Sensorik-Lösungen von Siemens erfasst und aufbereitet werden. "Wir unterstützen den Masterplan bereits mit vielen Produkten und Lösungen", sagt Grundmann. Etwa mit 44 Hochgeschwindigkeitszügen für die Verbindungen zu anderen Ballungsräumen sowie mit 40 U-Bahnzügen und Leit- und Sicherheitstechnik. Oder mit den etwa 300 modernen Niederflur-Tramwagen, die Wien bei Siemens bestellt hat und von denen pro Jahr 15 bis 20 ausgeliefert werden. Und last but not least auch eine Siemens-Lösung zur verkehrsabhängigen Steuerung der Ampeln. Das verbessert den Pkw-Fluss und vermeidet Staus.
Ganzheitlicher Ansatz. "Wien ist weltweiter Pionier bei der Umsetzung eines ganzheitlichen Mobilitätskonzepts. Die Stadt ist im Begriff, unseren Complete-mobility-Ansatz in die Praxis umzusetzen", ergänzt Grundmann. Bei diesem Konzept geht es darum, verschiedene Verkehrssysteme so gut wie möglich miteinander zu vernetzen.
"Bei der Umsetzung von Complete mobility arbeiten wir eng mit Siemens IT Solutions und Services zusammen", erläutert Grundmann. Etwa bei PTnova, einem System für den ÖPNV, das mit den Wiener Linien entwickelt wurde und als Pilotprojekt läuft. PTnova steuert alle vertrieblichen Prozesse wie den Fahrkartenverkauf und das Abo- und Kundenmanagement und es automatisiert den gesamten Datenfluss. Beliebige mobile oder stationäre Fahrkartenautomaten, Fahrscheindrucker und Kassensysteme lassen sich an PTnova anbinden. "Durch bessere Informations- und Kommunikationstechnik können Mobilitätsketten effizienter und damit der ÖPNV noch attraktiver werden", sagt Grundmann.
Genau dies ist auch die Empfehlung der Verkehrsexperten von MRC McLean Hazel. Sie schlagen in ihrer Studie personalisierte Smart Media für den Citybereich vor, die die Nutzung von Angeboten in der Stadt – von Eintrittskarten für Museen bis zu Bädern und Bibliotheken – mit einer Smartcard kombinieren. Sie könnten dann auch spezielle Anreize wie etwa Treuepunkt-Aktionen für eingesparte CO2-Emissionen enthalten und so noch mehr Kunden für den ÖPNV gewinnen.