Manuel Alberto Diaz (55), Bürgermeister der Stadt Miami, kämpft seit seiner Amtseinführung im Jahr 2001 für grüne Themen: von der Finanzierung einer energieeffizienten Nachrüstung von Gebäuden bis zu Lösungen für den öffentlichen Nahverkehr. Darüber hinaus sanierte er während seiner achtjährigen Amtszeit die desolaten Finanzen der Stadt. 2008 wurde Diaz für ein Jahr zum Präsidenten der U.S. Conference of Mayors gewählt. Diaz studierte politische Wissenschaft und Jura und arbeitete als Anwalt
Grüne Infrastruktur für
amerikanische Städte
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Sie haben als Bürgermeister Miamis Stadtfinanzen auf Vordermann gebracht. Miami jetzt richtig aufzustellen, um den CO2-Verbrauch zu reduzieren, sollte demgegenüber nur noch eine Kleinigkeit sein…
Diaz: Da liegen Sie falsch: Die CO2-Emissionen einer Stadt zu senken ist eine Mammutaufgabe. Man muss schnell sehr hohe Reduzierungen erreichen – und dies so nachhaltig wie möglich. So wollen wir bis 2020 in Miami etwa 25 % weniger CO2 produzieren als 2006. Das Wichtigste, was wir tun können, ist ein intelligenter Umbau der Stadtstruktur. Einer der wichtigsten Gründe für die wachsenden CO2-Emissionen in den USA ist nämlich die Zersiedelung. Sie führt zu mehr Autos und mehr Ressourcenverbrauch. Im Programm Miami 21 wollen wir dem entgegenwirken und unseren Ballungsraum von rund einer halben Million Menschen gut für die Zukunft aufstellen: Wir werden mehr Flächen zur so genannten Mischnutzung ausweisen, wo Läden in Laufweite der Wohnungen sind und öffentlicher Nahverkehr verfügbar ist. Wer die Menschen aus ihrem Auto holen will, der muss ihnen eine echte Alternative anbieten.
Wie könnte diese Alternative aussehen?
Diaz: Wir planen derzeit ein Straßenbahnnetz mit einer Länge von acht bis zehn Meilen. Es soll unsere am dichtesten besiedelten Wohngebiete mit jenen Zentren verbinden, wo die meisten Menschen arbeiten. Dazu gehören der zentrale Geschäftsdistrikt und einige Gebiete im Ostteil der Stadt – etwa der Health District mit seinen vielen Gesundheitseinrichtungen. Hier arbeiten 35.000 Personen und weitere 35.000 fahren pro Tag als Besucher dort hin. Dieses Projekt hat also einen erheblichen Einfluss auf Verkehrsströme und die Zahl der Autofahrten in Miami. Wir sprechen hier über eine Investition von 200 Mio. US‑$, die überwiegend durch die Regierung getragen würde, zu einem geringeren Anteil durch lokale Mittel. Wir arbeiten noch daran, die Finanzierung zu 100 % zu sichern.
Denken Sie auch über Public Private Partnerships als Finanzierungs-Modell nach?
Diaz: Wir denken nicht nur darüber nach, wir tun es. Wir lieben dieses Modell. Derzeit bauen wir beispielsweise einen Tunnel zwischen dem Hafen, der mitten in Miamis Zentrum liegt, und einer Autobahn – ein Riesenprojekt, mit dem wir viel Schwerverkehr aus dem Stadtkern verbannen wollen. Das stellen wir mit einem Partner aus der Privatwirtschaft auf die Beine. Bei sehr großen Projekten, etwa für den öffentlichen Nahverkehr, arbeiten wir bevorzugt mit großen und weltweit erfahrenen Unternehmen zusammen, solchen wie Siemens.
Effizientere Flächennutzung und große Infrastrukturprojekte sind langfristige Maßnahmen. Was kann getan werden, um Emissionen kurzfristig zu reduzieren?
Diaz: Die Stadtregierung von Miami versucht zunächst, mit gutem Beispiel voranzugehen und dadurch die Menschen zu motivieren, selbst etwas zu tun. Finanzielle Anreize tun ein Übriges. Um zu zeigen, wie ernst wir es meinen, haben wir für die Regierungsgebäude besonders ehrgeizige Ziele gesteckt: Hier wollen wir eine Senkung des CO2-Ausstoßes von 25 % bereits im Jahr 2015 erreichen, verglichen mit den Werten von 2007. Ein Weg dorthin sind effizientere Klimaanlagen. Darüber hinaus haben wir etwa 40 Solarmodule am Rathaus installiert; sie decken 10 bis 15 % unseres Strombedarfs. Und wir haben die alten Beleuchtungseinrichtungen im Rathaus gegen energiesparende Systeme ausgetauscht – einschließlich denen in meinem Büro. Wir erneuern auch unsere Fahrzeugflotte; so wurden letztes Jahr die ersten Hybridfahrzeuge angeschafft. Dieses Vorbild an grünem Denken schlägt nun auch auf den privaten Sektor durch: So wird das neue Baseballstadion in Miami ein LEED-zertifiziertes Bauwerk sein (Anm.d.Red.: LEED ist ein Klassifizierungssystem für energie- und umweltfreundliche Gebäudeplanung).
Gab es einen Schlüsselmoment für Sie, als Sie sich bewusst machten, wie wichtig eine nachhaltige Entwicklung für Städte ist?
Diaz: Ich bin mit sechs Jahren von Kuba nach Miami gekommen. Die Stadt ist von einer atemberaubend schönen Natur umgeben, mit zwei Naturreservaten in unmittelbarer Nähe. Als kleines Kind, das in dieser Umgebung aufwächst, lernt man all das zu schätzen. Meine prägenden Jahre habe ich am Strand verbracht oder bei Ausflügen in die Everglades, und mir wurde klar: In Miami ist man unmittelbar Teil einer außergewöhnlichen Umwelt, die aber auch sehr verletzlich ist. Da kommt man dann ins Nachdenken: Ich möchte einfach, dass meine Kinder und ihre Kinder all das auch genießen können.