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Dr. Ulrich Eberl
Herr Dr. Ulrich Eberl
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Zwei mit Zukunft: Während Transparent ein Spezialist für die Nutzung von Abwärme ist – hier in einem Kraftwerk –,
vermeiden Lösungen von Powerit Solutions teure Lastspitzen, etwa bei Weinproduzenten.

Zwei mit Zukunft: Während Transparent ein Spezialist für die Nutzung von Abwärme ist – hier in einem Kraftwerk –,
vermeiden Lösungen von Powerit Solutions teure Lastspitzen, etwa bei Weinproduzenten.

Zwei mit Zukunft: Während Transparent ein Spezialist für die Nutzung von Abwärme ist – hier in einem Kraftwerk –,
vermeiden Lösungen von Powerit Solutions teure Lastspitzen, etwa bei Weinproduzenten.

Zwei mit Zukunft: Während Transparent ein Spezialist für die Nutzung von Abwärme ist – hier in einem Kraftwerk –,
vermeiden Lösungen von Powerit Solutions teure Lastspitzen, etwa bei Weinproduzenten.

Grüne Zwerge

Trotz Wirtschaftskrise beteiligt sich Siemens mit Risikokapital an dynamischen, innovativen Firmen. Darunter viele mit grünen Technologien, wie zwei Beispiele zeigen.

Image Zwei mit Zukunft: Während Transparent ein Spezialist für die Nutzung von Abwärme ist – hier in einem Kraftwerk –, vermeiden Lösungen von Powerit Solutions teure Lastspitzen, etwa bei Weinproduzenten.

Projektfinanzierung durch Siemens

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Großprojekte brauchen solide Finanzierungen. In Zeiten, da Banken ihre Kreditvergabe einschränken, sind starke Partner wie Siemens Project Ventures (SPV) umso wichtiger. Während Siemens Venture Capital (SVC) sich an Unternehmen beteiligt, stellt die SPV Finanzierungen für Projekte bereit. Darunter waren in der Vergangenheit etwa der Bau eines großen Kohlekraftwerks in Indonesien mit einem Projektvolumen von 1,7 Mrd. US‑$ und der Bau des Flughafens von Bangalore mit einem Volumen von 585 Mio. US‑$. "Siemens stellt dabei einen Teil der Finanzierung bereit und hilft bei der Beschaffung von zusätzlichen Projektmitteln über den Bankenmarkt und über die Kapitalmärkte", erklärt Johannes Schmidt, Leiter der Geschäftseinheit Equity & Project Finance bei Siemens Financial Services. Beste Kontakte zu Banken und anderen Financiers helfen dabei.
Schwerpunkte für SPV sind Infrastrukturvorhaben im Energiesektor und im Verkehrsbereich, etwa Bahnprojekte, sowie Projekte im Gesundheitsbereich. Siemens nimmt bei SPV-Investitionen stets eine Schlüsselrolle ein, sei es als Generalunternehmer oder als Lieferant wesentlicher Komponenten. Die SPV soll darüber hinaus – wie auch SVC – mit den Beteiligungen eine gute Rendite erwirtschaften. "Unsere wichtigste Fähigkeit muss also sein, die Risiken potenzieller Projektfinanzierungen im Verhältnis zu den Ertragschancen gut zu bewerten. Die inhaltliche Kompetenz und Projekterfahrung des Siemens-Konzerns sind dabei natürlich sehr hilfreich", erläutert Schmidt.
Grüne Engagaments werden dabei immer wichtiger. Im Mai 2009 stieg die SPV mit einem Anteil von 25 % bei der BGZ AG ein. Diese – selbst eine Beteiligungsgesellschaft – realisiert mit 140 Mitarbeitern Solarstrom-, Biomasseenergie- und Windkraftprojekte, bei denen auch Siemens-Technologie eingesetzt wird. Bis Ende 2008 hatte die Gesellschaft aus Husum insgesamt 950 Megawatt Windenergie-Leistung auf der ganzen Welt installiert. Volker Friedrichsen, Vorstandsvorsitzender, Gründer und Hauptgesellschafter der BGZ AG begrüßt den neuen Investor: "Wir freuen uns, mit Siemens einen starken und internationalen Partner gefunden zu haben, der uns bei unseren Finanzierungsanforderungen im Wachstumsmarkt der regenerativen Energien unterstützt. Gemeinsam mit Siemens werden wir unseren Eintritt in neue Märkte weiter forcieren."

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Mit kleinen Industrie-Dampfboilern begann die Geschichte der indischen Firma Transparent Ende der 1980er-Jahre in einem Hinterhof in Pune. Schon damals waren diese Boiler energieeffizienter als alle anderen in Indien: "Die Energieausbeute lag mindestens 5 % höher als beim Wettbewerb", erinnert sich der CEO, B. G. Kulkarni, stolz. Heute, 20 Jahre später, hat Kulkarni mit großindustriellen Anlagen zu tun: Er bietet Lösungen an, die industrielle Abwärme – wie sie etwa bei der Zementherstellung anfällt – in Elektrizität umwandeln. Das spart Kosten und schont die Umwelt. Bis zu 16 MW Leistung bringen die Transparent-Anlagen. Energie, die bisher oft ungenutzt als Wärme in die Atmosphäre geblasen wurde.
"Unsere Lösung trifft die Bedürfnisse der Kunden – nicht nur in Indien", sagt Kulkarni. 2008 suchte er daher einen Investor und Partner, der seine Produkte und sein Geschäftsmodell von A bis Z versteht. Im Mai 2009 sicherte er sich die Unterstützung von Siemens Venture Capital (SVC). SVC steigt meist als Minderheitseigentümerin bei Firmen ein, entweder am Anfang der Unternehmensentwicklung oder, wie bei Transparent, vor wichtigen strategischen Schritten. Dabei bringt SVC einen besonderen Trumpf mit: den gesamten Erfahrungsschatz von Siemens.
"Wir wurden eingeladen, beim Innovationswettbewerb India Innovation Program 2008 von Siemens mitzumachen, der von SVC organisiert wurde", erinnert sich Kulkarni. Transparent wurde zum Sieger gekürt und kam schnell mit dem SVC-Vertreter in Indien, Rajesh Vakil, ins Gespräch. Aus den 150 festen Mitarbeitern und den 150 Lohnarbeitern in zwei indischen Fabriken könnten im Zuge der nun solide finanzierten Expansionsstrategie bald deutlich mehr werden.
"Transparent ist ein hervorragendes Beispiel für unsere Investitionen", sagt Johannes Schmidt, Leiter der Geschäftseinheit Equity & Project Finance bei Siemens Financial Services (SFS), zu der SVC gehört: "Durch unser globales Netzwerk und unsere Expertise erkennen wir außerordentliche Firmen einfach früher als andere. Und oft gelingt es uns, auch mehr aus solchen Beteiligungen zu machen." Etwa indem die Firmen ihre Strategie mit Siemens-Experten besprechen, und dabei vom technischen Know-how und der weltweiten Präsenz des Konzerns profitieren.
"Seit der Gründung 1998 hat sich SVC an über 150 Unternehmen beteiligt – dabei bieten ein Drittel der Firmen im Portfolio Energieeffizienz-Lösungen an", sagt Dr. Ralf Schnell, Geschäftsführer von SVC. "Wir sind in allen relevanten Märkten tätig, in Europa, Asien und den USA." In frühen Phasen der Unternehmensentwicklung werden meist zwischen 2 und 5 Mio. € pro Finanzierungsrunde investiert, doch SVC startete kürzlich auch Minderheitsbeteiligungen an etablierten Firmen, so genannte Growth Capital Finanzierungen, die pro Runde zwischen 10 und 30 Mio. € erhalten. Die erste Investition dieser Art ging an den deutschen Abwärme-Spezialisten Maxxtec AG. Am Ende jeder Beteiligung steht dabei immer der Verkauf, entweder direkt oder über einen Börsengang. "Unsere Gesamtrendite muss zu diesem Zeitpunkt stimmen", so Schnell.

Lastspitzen kappen. Im Fall von Powerit Solutions, an der SVC seit Mai 2009 beteiligt ist, sind die Weichen gut gestellt. Jahr für Jahr verdoppelte die Firma mit Sitz in Seattle bisher ihren Umsatz. Powerit hilft Industriefirmen, elektrische Lastspitzen bei Produktionsprozessen zu vermeiden. Bob Zak, President von Powerit Solutions, wurde in den vergangenen Monaten durch die Nachfrage nach seinem Produkt geradezu überrollt: "Derzeit wollen alle, maßgeschneidert für ihre Prozesse, energieeffizienter produzieren. Durch die Vermeidung von Lastspitzen lässt sich besonders viel Geld sparen."
Das hat in den USA mit weit verbreiteten Regelungen in den Stromverträgen zu tun: Für Industriekunden wird die Monatsrechnung oft aus einem einzigen Verbrauchsintervall, nämlich dem mit der größten Last, hochgerechnet – obwohl der tatsächliche Verbrauch über den gesamten Monat hinweg niedriger lag. Die Intervalle sind dabei oft nur eine Viertelstunde kurz. Die Energieunternehmen rechtfertigen dies damit, dass sie selbst für extrem selten auftretende Lastspitzen Produktionskapazität in Form von Kraftwerken bereit halten müssen.
Um Lastspitzen zu vermeiden, vernetzt Powerit Solutions alle wichtigen Stromverbraucher in der Produktion und stimmt sie aufeinander ab. So sind in der Nahrungsmittelherstellung etwa Kühlaggregate enorme Stromfresser. Für seine Prognosen baut das System auf Algorithmen, die präzise bestimmen, wann, wie, wo und in welchem Umfang eine Komponente heruntergeregelt werden sollte, ohne dabei die Qualität des Erzeugnisses oder den Produktionsprozess zu beeinträchtigen. "Wir kennen durch unsere Erfahrung in verschiedenen Industrien die Prozesse genau und haben in komplexen Entscheidungsbäumen vorgezeichnet, wie sich Energieeinsparungen mit den Erfordernissen des laufenden Betriebs in Einklang bringen lassen. Und weil die Systeme eigenständig lernen, passen sie sich an das variable Lastprofil der Fabrik an", sagt Zak. So kann der Verbrauch gesenkt werden.
Die Kunden von Powerit Solutions machen sich dies zunutze: Mit ihren Energieversorgern schließen sie spezielle Verträge, die es diesen nach kurzfristiger Vorankündigung erlauben, die Versorgung zu deckeln – etwa im Hochsommer, wenn die Klimaanlagen laufen und Überlastung droht. In wenigen Jahren sparen Kunden, die an solchen Programmen teilnehmen, Millionen von US-Dollar und holen so die Anfangsinvestition schnell wieder herein. Noch ist Powerit Solutions vor allem in Nordamerika vertreten: mit rund 70 Lösungen in USA, Kanada und Mexiko. Doch mit der Finanzspritze von SVC kann die Expansion beschleunigt werden.
In ihren wirtschaftlichen Zielen unterscheiden sich Bob Zak und B. G. Kulkarni kaum: Beide wollen mit grüner Technologie den Weltmarkt erobern. In Siemens haben die Firmen einen Partner gefunden, der zu ihnen passt – aufgrund seiner Finanzkraft, seines weltumspannenden Netzwerks und seiner Industrieerfahrung, gerade auch auf dem Feld der Umweltlösungen, mit denen Siemens im Jahr 2008 bereits 19 Mrd. € Umsatz erzielt hat. Scherzhaft nennen sich manche der Unternehmen im SVC-Portfolio, die Umwelttechnologien anbieten, grüne Zwerge. Gemeinsam mit dem "grünen Riesen" Siemens können sie ihre Vision der effizienteren Ressourcennutzung besser verwirklichen.

Andreas Kleinschmidt