Go to content

SIEMENS

Research & Development
Technology Press and Innovation Communications

Dr. Ulrich Eberl
Herr Dr. Ulrich Eberl
  • Wittelsbacherplatz 2
  • 80333 Munich
  • Germany
Dr. Ulrich Eberl
Herr Florian Martini
  • Wittelsbacherplatz 2
  • 80333 Munich
  • Germany
Das neue Stromzeitalter
Wolfgang Dehen Wolfgang Dehen ist CEO des Sektors Energy und Mitglied des Vorstands der Siemens AG.

Die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts war eine Zeit der Pioniere: Werner von Siemens entdeckte 1866 das dynamoelektrische Prinzip und damit den wirtschaftlichsten Weg, Strom zu erzeugen. Ende der 1870er-Jahre beschloss Thomas A. Edison, mit seiner Glühbirne Licht in alle Haushalte zu bringen. George Westinghouse und Nikola Tesla experimentierten mit Wechselstrom, Oskar von Miller gelang es erstmals, große Strommengen über 175 km zu transportieren – und Werner von Siemens erkannte, dass Strom "unzählige Einrichtungen in Häusern, Fabriken und auf den Straßen hervorrufen wird, welche zur Erleichterung des Lebens dienen". Viele davon entwickelte er gleich selbst: etwa die erste elektrische Eisenbahn, den elektrischen Kutschenwagen – einen Vorläufer von Elektroauto und Straßenbahn – sowie den ersten elektrischen Aufzug … um 1890 begann dann endgültig die Elektrifizierung der Welt.
Heute – 120 Jahre später – stehen wir vor dem zweiten Pionierzeitalter der Elektrotechnik, wie diese Ausgabe von Pictures of the Future zeigt. Strom wird künftig mehr als je zuvor zum allumfassenden Energieträger. Getrieben wird diese Entwicklung vor allem von der Erkenntnis, dass es höchste Zeit ist, die Treibhausgas-Emissionen zu senken, um dem Klimawandel Paroli zu bieten. Wie dies erreicht werden kann, ist das Thema der Weltklima-Konferenz im Dezember 2009 in Kopenhagen. Elektrischer Strom ist hier der Weg zum Ziel, denn er kann extrem umweltfreundlich produziert, hoch effizient übertragen und mit geringen Verlusten verbraucht werden – er ist ideal für den gleitenden Übergang zur kohlenstofffreien Energiewirtschaft.
Alle nötigen Technologien sind bereits vorhanden – man muss sie nur einsetzen. Beispielsweise Effizienzsteigerungen an allen Stellen der Energieumwandlungskette, von den Kraftwerken (siehe Artikel "Klimaschutz inklusive") über den Stromtransport (siehe Artikel "Die Spannung steigt") bis zum Verbrauch in Gebäuden (siehe Artikel "Gebäude als Händler am Energiemarkt") und (siehe Artikel "Grüner Campus"), der Industrie (siehe Artikel "Energie aus Emissionen") oder dem Verkehr (siehe Artikel "Elektroauto im Smart Grid") und (siehe Artikel "Bahn mit Wohlfühl-Faktor"). Auch wird die Menge an CO2-frei erzeugtem Strom enorm zunehmen. Nach Berechnungen der Internationalen Energieagentur und von Siemens wird die Menschheit im Jahr 2030 etwa 13-mal mehr Strom aus Wind ernten als heute und sogar 140-mal mehr aus Solarenergie. Besonders viel versprechend ist das Desertec-Konzept, in dessen Mittelpunkt Solarkraftwerke in Nordafrika und dem Mittleren Osten stehen – für die Planung und Umsetzung dieser Idee wurde gerade ein Industriekonsortium gegründet (Solarstrom-Kraftwerke). Auch werden an Land und auf hoher See verstärkt Windturbinen gebaut werden (siehe Artikel "Windernte auf der Sandbank"). In beiden Fällen müssen hohe Strommengen möglichst verlustarm über weite Strecken übertragen werden – hier kommt die Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung ins Spiel. In China baut Siemens gerade die leistungsfähigste Stromautobahn der Welt, die 5.000 MW Leistung von Wasserkraftwerken im Landesinneren über 1.400 km zu den Städten an der Küste befördert – mit nur minimalen Verlusten (siehe Artikel "Die Spannung steigt").
Wind und Sonne liefern jedoch den Strom nicht immer dann, wenn man ihn braucht. Er muss also zwischengespeichert werden. Ein fehlendes Puzzlestück könnte hier der sich abzeichnende Boom an Elektrofahrzeugen sein (siehe Artikel "Elektroauto im Smart Grid"). Sie erlauben nicht nur eine sehr umweltfreundliche Mobilität, sondern könnten auch als mobile Energiespeicher dienen. Für die Besitzer würde sich dies durchaus lohnen: Sie könnten Strom etwa nachts, wenn er billig ist, laden – und tagsüber zu Spitzenpreisen wieder verkaufen. Einige hunderttausend Elektroautos am Netz würden bereits ausreichen, um mehr Regelleistung zur Verfügung zu stellen, als Deutschland derzeit zur Deckung von Verbrauchsspitzen benötigt.
Was man dafür braucht, sind intelligente Stromzähler – für Autos ebenso wie für andere kleine Energieerzeuger und Verbraucher (siehe Artikel "Schluss mit dem Blindflug") – und die dahinter liegende Technologie der Smart Grids, der intelligenten Stromnetze (siehe Artikel "Neue Stromnetze knüpfen"). Sie werden dank leistungsfähiger Informations- und Kommunikations- sowie Sensortechnik den Stromverbrauch transparenter und besser steuerbar machen und so zur Energieeinsparung beitragen. Auch hierfür hat Siemens alle Lösungen im Portfolio – Stromnetze intelligenter zu machen ist seit Jahrzehnten unser Kerngeschäft. Von heute bis zum Jahr 2014 liegt allein der für Siemens adressierbare Markt für Smart-Grid-Technologien weltweit bei 30 Mrd. € – ein enormer Wachstumsmarkt, ebenso wie der der erneuerbaren Energien, der Stromübertragung und der Elektromobilität, die alle zusammen das neue Stromzeitalter prägen werden.