Istanbul gilt als Brücke zwischen West und Ost. Die Megacity auf zwei Kontinenten bringt technische Innovationen, etwa bei Infrastruktur-Projekten, meist als erste ins Land - und ist damit ein Leuchtturm für die dynamisch wachsende Türkei. Schon seit vielen Jahrzehnten unterstützt Siemens-Technologie die Reise in die Zukunft.
Leistungsschub: Mit Siemens-Technik verbrauchen die Bosporus-Fähren weit weniger Treibstoff. Die Formel-1-Rennstrecke und seine Fabrik für Schaltanlagen hat Siemens ebenfalls auf Vordermann gebracht.
Die neue Siemens-Fabrik verbraucht 25 Prozent weniger Energie und 50 Prozent weniger Wasser als die alte.
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Gökces blaues Kleid flattert im Wind. Wie jeden Morgen fährt sie mit der Fähre über den Bosporus, von der asiatischen Seite, wo sie wohnt, auf die europäische. Dort studiert sie und unterhält ein Atelier. Die junge Künstlerin, die gleich zwei Mal bei den Ausstellungen des türkischen Kunstförderprogramms von Siemens vertreten war, liebt diese morgendliche Überfahrt: "Jedes Mal mache ich mir bewusst, dass ich zwischen zwei Kontinenten reise."
Auch Jenny unternimmt jeden Morgen diese kleine Reise, nur in entgegengesetzter Richtung, von ihrer Wohnung im europäischen Teil der Stadt zu ihrem Arbeitsplatz im asiatischen. Für ein Schweizer Unternehmen baut die in Deutschland geborene Türkin die Personalabteilung auf, ehe es zurück nach Berlin geht.
Gökce Er und Jenny Baylam: Zwei Frauen Ende 20, die Istanbul lieben, hier arbeiten und das charmante Chaos einer Megacity von 13 Millionen Einwohnern nicht missen wollen. "Obwohl, ein klein bisschen weniger Chaos", findet Jenny, "das wäre nicht schlecht". Die Infrastruktur auf den modernsten Stand zu bringen und Städte wie Istanbul noch lebenswerter zu machen – dies ist auch das Ziel von Siemens. Das beginnt bereits mit der morgendlichen interkontinentalen Bootsfahrt.
Die Bosporus-Fähren sind für Istanbul seit Jahrzehnten ein Rückgrat der Verkehrsinfrastruktur und eine der Touristenattraktionen – neben der 1.500 Jahre alten Hagia Sofia, den zahlreichen Palästen und Basaren. Doch viele Boote sind in die Jahre gekommen. Schwere Dieselmotoren treiben direkt die Schiffsschrauben an und laufen dabei meist auf Höchstlast. "Diese alte Technologie ist wegen ihrer niedrigen Effizienz schlecht für die Umwelt und schadet den Motoren", erklärt Emre Goren, Vertriebsfachmann der Siemens-Division Drive Technologies. "Mit der herkömmlichen Antriebstechnik kann ihre Drehzahl nicht stufenlos eingestellt werden, sie verschleißen schneller und müssen daher häufiger gewartet werden." Bei der neuesten Generation von Bosporus-Fähren setzte die Betreibergesellschaft IDO deshalb auf dieselelektrische Antriebssysteme von Siemens.
Diese Systeme übersetzen die Leistung von vier Dieselmotoren in elektrische Energie, welche dann – fein dosierbar – auf die Schiffsschrauben übertragen wird. Einzelne Dieselmotoren können so zeitweise abgeschaltet werden, etwa während der Manövrierphasen beim Anlegen. Die verbleibenden Motoren laufen auf ihrem Effizienzmaximum weiter – weniger Ruß wird ausgestoßen, Treibstoff und Kosten eingespart. Für die Passagiere erhöht sich dank der reduzierten Motorvibrationen der Fahrkomfort. Nejdet Oguz, Chefingenieur auf einer der neuen Bosporus-Fähren, der "Kadiköy", erzählt: "Anfangs waren einige unserer Kapitäne skeptisch – schließlich hat Siemens an uns die allerersten dieselelektrischen Antriebe für Fähren in der Türkei geliefert." Doch inzwischen sind alle überzeugt: "Wir können sicherer manövrieren, sparen Schiffsdiesel und müssen weniger Wartungsarbeiten ausführen, sodass wir früher bei unseren Familien sind."
Die Bosporus-Fähren sind – obwohl nur mit 25 km/h unterwegs – eine der schnellsten Möglichkeiten, in Istanbul voranzukommen. Sie werden jeden Tag von etwa 250.000 Menschen genutzt; dabei fasst jedes Boot 1.800 Personen. Auf den Stadtautobahnen hingegen machen schier endlose Verkehrsstaus selbst Strecken von wenigen Kilometern zu Reisen, die leicht eine Stunde dauern. Vor allem die zwei Bosporus-Brücken sind chronisch verstopft.
Die grüne Fabrik. Nicht weit entfernt vom Formel-1-Parcours, in Gebze, befindet sich eine neue Fabrik für Schaltanlagen; Anlagen, wie sie teils auch im Otodrom verbaut sind. Im April 2009 wurde das Siemens-Werk, das Produkte in die ganze Welt liefert, eingeweiht. "Es ist eine der modernsten Fabriken in der Türkei, und eine der modernsten Siemens-Fabriken weltweit", erklärt Kerim Oal, verantwortlicher Manager bei der Siemens-Division Power Distribution, stolz. Schaltanlagen baut Siemens seit 1961 in der Türkei. Die geografisch günstige Lage zwischen Europa und Asien, aber auch die große Zahl qualifizierter Arbeiter macht Istanbul zu einem optimalen Standort.
Die Zahl der produzierten Panels hat inzwischen mehr als 5.000 pro Jahr erreicht. Das Besondere an der 30-prozentigen Steigerung der Produktionsmenge allein seit dem letzten Geschäftsjahr – als die neue Fabrik eingeweiht wurde – ist, dass sie mit der gleichen Zahl an Arbeitern erreicht wird. In der neuen Fertigung sind solche Effizienzgewinne vor allem durch so genannte Lean-Production-Techniken realisiert worden: Das Rohmaterial, etwa Kupferblech, wird nun am Beginn der Produktion angeliefert und läuft in einem einzigen Prozess durch die große, lichtdurchflutete Halle, statt nach einzelnen Schritten aufwändig an andere Produktionsorte transportiert zu werden.
Darüber hinaus ist die Fabrik besonders umweltfreundlich: "Im Vergleich zum alten Standort verbrauchen wir hier 25 % weniger Energie und 50 % weniger Wasser", sagt Oal. Möglich wird das durch die Architektur, die viel natürliches Licht nutzt, und durch moderne Technologie. Schreibtischlampen sind mit Sensoren ausgestattet, die das Licht abschalten, wenn länger keine Bewegung registriert wird. Das Brauchwasser des Gebäudes wird in einer der zwei werkseigenen Kläranlagen gereinigt und zur Bewässerung genutzt, beispielsweise in den blühenden Gärten der Fabrik-Innenhöfe.



