Während die Haushaltsmittel für zahlreiche Bildungsinstitutionen stagnieren oder schrumpfen, profitieren andere von neuen Investitionsprogrammen. In beiden Fällen gilt jedoch:
Die Partnerschaft mit Privatunternehmen hilft bei Gebäude-Sanierungen - was dank erhöhter Energieeffizienz eine Menge Geld und CO2-Emissionen einspart.
Hochschule der Effizienz: Hinter der alten Fassade der Berliner UdK spart modernste Siemens-Regeltechnik bares Geld. Diese Ersparnis teilen sich Hochschule und Unternehmen.
- Text Size
- Share
- Print this page
In diesen Katakomben nahe dem Bahnhof Zoo würde man eher Phantome suchen, oder Spinnen, riesenhafte mit glühenden Augen, die sich in Acrylfarben gut machen, auf eine Leinwand gemalt oder als dreidimensionale Installation. Überhaupt könnte man in diesem verwinkelten Labyrinth, in dem einer mehr gebückt geht als aufrecht, gut künstlerische Inspirationen sammeln. Doch die rund 4.000 Studenten der Berliner Universität der Künste (UdK) sehen die Kellergänge ihrer Hochschule nie. Hier unten ist das Reich von Robert Müller, Leiter des Referats Technik an der UdK. Der studierte Architekt, selbst ein Absolvent der UdK, sucht in den Gewölben aus dem 19. Jahrhundert keine Inspiration, sondern eigentlich nur Geld. Besser gesagt: Einsparmöglichkeiten.
Denn das alte Gebäude, mit seinem verzweigten Heizungssystem und den gebäudetechnischen Anlagen, die weithin aus den 1960er-Jahren stammen, war im Hinblick auf einen energieeffizienten Betrieb lange Zeit ein Sündenfall. Doch hier im Keller, neben den langen Rohrleitungen, finden sich seit einigen Jahren moderne Regelventile und Pumpen für die Heizung. Müller zeigt auf eines der großen Räder, mit denen Heizkreise auch manuell geschlossen werden können, und freut sich: "Hier haben wir die Weichen für den Energieverbrauch neu gestellt. Und je weniger Energie wir verbrauchen, desto günstiger kommt uns der laufende Betrieb." Beim Sparen hilft der UdK seit 2004 auch Siemens – im Rahmen eines so genannten Energiespar-Contracting-Modells.
"Über die letzten zehn Jahre wurden die Haushaltsmittel für die Hochschule immer knapper – und bei der Suche nach Einsparmöglichkeiten fielen uns schnell die hohen Energiekosten ins Auge", erinnert sich Müller. Die Berliner Energieagentur schrieb daraufhin europaweit die energetische Sanierung der neun Liegenschaften der UdK aus – Siemens wurde als Partner ausgewählt. "Das Unternehmen hatte einfach das beste Preis-Leistungs-Verhältnis", sagt Kerstin Kallmann von der Energieagentur. Der Clou für die Hochschule: Sie muss nicht einen einzigen Cent selbst aufbringen. "Auch wenn wir die Sanierung der Hochschule vollständig aus eigener Kraft hätten angehen wollen", sagt Robert Müller, "es wäre an den fehlenden Mitteln gescheitert". Stattdessen investierte Siemens etwa 1 Mio. € in modernste Steuerungstechnik und energiesparende Ausrüstung. Das gesparte Geld teilen sich die UdK und Siemens über einen Zeitraum von zehn Jahren. Je mehr Energie gespart wird, desto mehr haben beide Seiten von der Zusammenarbeit. Dank Siemens-Hilfe erhielt die UdK schließlich das Green Building-Zertifikat der EU.
Altbau als Effizienzmeister. Christel Meyer, Energieingenieurin bei Siemens Building Technologies, betreut die UdK bei den Bemühungen, auch in altem Gemäuer Effizienzgewinne zu realisieren: "Durch die Installation neuer Heizkreise konnte viel Energie eingespart werden. Vorher lief beispielsweise die Heizung in einem großen Lehrgebäude am Wochenende durch, nur um neben all den Hörsälen auch die Hausmeisterwohnung zu beheizen. Außerdem wurden alle Heizkörper mit Thermostaten nachgerüstet." Mit solchen Maßnahmen wird aus dem Komplex an der Hardenbergstraße zwar kein Neubau – aber der Bestand wird mit relativ geringen Investitionen intelligenter genutzt.
Der UdK sind Einsparungen von mindestens 27 % des Energieverbrauchs vor der energetischen Modernisierung vertraglich zugesichert, also jährlich etwa 236.000 €. Von diesen Einsparungen verbleiben etwa 17 %, etwa 40.000 € pro Jahr, in den Kassen der Hochschule, als direkte Haushaltsentlastung. Fallen die Einsparungen größer aus, wirkt sich dies noch günstiger auf das Budget der Hochschule aus – und auf die Umweltbilanz. Auf den insgesamt 52.000 m² Nutzfläche lassen sich durch das Projekt mit Siemens jährlich 4.680 MWh Energie einsparen – das entspricht etwa 1.100 t CO2.
Siemens unterstützt Hochschulen und andere Bildungseinrichtungen nicht nur bei gebäudetechnischen Lösungen, erklärt Joachim Brünner, Verantwortlicher für das Corporate Account Management Research & Education bei Siemens: "Den internationalen Wettbewerb um die besten Professoren und Studierenden wird in Zukunft diejenige Hochschule gewinnen, die proaktiv um die Talente wirbt und diese über den gesamten akademischen Lebenszyklus begleitet, von der ersten Kontaktaufnahme bei der Bewerbung bis zur Graduierung." Siemens hat hierfür beispielsweise in den vier größten Hochschulen in Polen die Verwaltungsstrukturen digitalisiert. Das Marktvolumen "Research & Education" beträgt weltweit jährlich 320 Mrd. €. Auf Felder, bei denen Siemens-Technologie Mehrwert stiften kann – wie bei der energetischen Gebäudesanierung oder der IT-Ausstattung –, entfallen mindestens 17 Mrd. €. Und der Markt wächst jährlich um mehr als 6 %.
Besonders attraktiv sind für Hochschulen mit engen Budgets die Energieeffizienz-Optimierungen; schließlich entlasten diese direkt den Haushalt. Siemens ist für diese Aufgabe ein besonders erfahrener Partner: Weltweit hat das Unternehmen für über 6.500 Gebäude energieeffizienzsteigernde Projekte realisiert: mit garantierten Einsparungen von insgesamt fast 2 Mrd. € sowie jährlichen CO2-Reduktionen von weit über 700.000 t.
Das Engagement des Konzerns für die UdK reicht weit zurück. Als Christel Meyer bei einer Begehung des Gebäudes an der Hardenbergstraße mit Robert Müller die energieeffiziente Zukunft des Altbaus besprechen wollte, stieß sie statt dessen auf die Vergangenheit: Die riesigen Ventilatoren der Lüftungsanlage im Konzertsaal, der gerade saniert wird. "Siemens hatte sie in den 50er-Jahren installiert. Und sie laufen nach wie vor einwandfrei. Große Stromfresser sind sie auch nicht", erklärt Müller. Schon damals hatte sich die Hochschule für Siemens entschieden. Manche Partnerschaften dauern eben Jahre. Diese schon ein halbes Jahrhundert.


