Friedrich Bauer, undatiert
Seine Tätigkeit bei der Siemens-Schuckertwerke GmbH begann Friedrich Bauer 1924. Damals trat er als projektierender Ingenieur in die "Abteilung Industrie" ein, wo er sich zunächst mit der Entwicklung motorischer Antriebe befaßte. 1936 wurde ihm die Leitung der Abteilung Faserstoffindustrie und 1941 auch die der Abteilungen Chemie und Allgemeine Entwicklung übertragen. Kurze Zeit später, 1942, erfolgte seine Berufung in den Vorstand, gleichzeitig übernahm er die Leitung der "Abteilung Zentralen", war also für die Elektrizitätserzeugung und -verteilung zuständig. Zu Kriegsende begann man bei Siemens mit der Teilverlagerung der Firmenführung von Berlin nach Westdeutschland. In diesem Zusammenhang leitete Friedrich Bauer die "Gruppe West" mit Sitz in Mülheim/Ruhr und damit die westdeutschen Werke und Betriebsbereiche. Im Jahr 1948 war Bauer schließlich für sämtliche projektierende Planungs- und Vertriebsabteilungen - für die sogenannten "Technischen Stammabteilungen" - verantwortlich. Die Berufung zum Vorsitzenden des Vorstands der Siemens-Schuckertwerke AG erfolgte 1951.
Alfred Berliner, undatiert
Nach dem Studium von Ingenieurwissenschaften und Physik kam Alfred Berliner 1888 auf Veranlassung von Physikers Hermann v.Helmholtz zu Siemens & Halske. Dort wurde er mit dem Aufbau eines USA-Geschäfts beauftragt und eröffnete 1891 zunächst ein Ausstellungsbüro zur Beschickung der Weltausstellung Chicago. Kurze Zeit später errichtete er die Siemens & Halske Electric Company of America, die er bis 1893 leitete. Zur bedeutendsten Leistung von Berliner zählt die Verschmelzung der Starkstromabteilung der Siemens & Halske AG mit der "Elektrizitäts-Aktiengesellschaft vorm. Schuckert & Co., Nürnberg" zur Siemens-Schuckertwerke GmbH im Jahr 1903, deren Vorstandsvorsitz er bis 1912 inne hatte. Bereits zuvor, 1901, war er zum ordentlichen Mitglied des Vorstands der Siemens & Halske AG ernannt worden. Bis zum Jahr 1937 nahm Alfred Berliner noch ein Mandat als Mitglied des Aufsichtsrats der Siemens & Halske AG war.
Rudolf Bingel, undatiert
Nach einer Lehre als Maschinenbauer und einem abgeschlossenen Ingenieurstudium kam Rudolf Bingel im Jahr 1907 zur Siemens-Schuckertwerke GmbH. Er begann seine berufliche Laufbahn in der Mannheimer Niederlassung des Unternehmens, wo er 1919 zum Technischen Vorstand ernannt wurde. 1924 erhielt Bingel eine Berufung als stellvertretendes Mitglied des Vorstands in das Berliner Stammhaus. Dort wurde er schließlich zum ordentlichen Mitglied des Vorstands (1927), zum stellvertretenden Vorsitzenden (1937) und zum Vorsitzenden des Vorstands (1939) bestellt. Rudolf Bingel wirkte besonders innovativ und erfolgreich in den Sparten der Antriebs-, Kombinations- und Schiffselektrotechnik. In besonderem Maß förderte er die Entwicklung von diesel- und turboelektrischen Antrieben. Als wichtiger Repräsentant des Unternehmens wurde Bingel in den letzten Kriegstagen in Siemensstadt von russischem Militär gefangen genommen und in einem Lager in Landsberg/Warthe interniert, wo er an den Folgen der Haft verstarb.
Heinrich von Buol, undatiert
Heinrich von Buol kam nach dem Studium von Maschinenbau und Elektrotechnik in Wien im Jahr 1906 als Laboratoriumsingenieur zur Siemens & Halske AG nach Berlin. 1915 wurde er Leiter der Abteilung für drahtlose Telegraphie und Messgeräte, 1921 Direktor des Wernerwerks für Messgeräte und stellvertretendes Mitglied des Vorstands, 1927 ordentliches Mitglied und 1932 Vorsitzender des Vorstands von Siemens & Halske. In der Amtszeit von Heinrich von Buol, an deren Anfang eine Neuorganisation der Arbeitsgebiete stand, nahmen Umsatz und Belegschaft der Siemens AG beträchtlich zu. Ende April 1945 wurde Buol, ein ausgesprochener Gegner des nationalsozialistischen Regimes, bei der Besetzung von Berlin durch russisches Militär verhaftet und nach Moskau verbracht. Dort setzte er seinem Leben freiwillig ein Ende.
Adolf Franke, 1926
Im Jahr 1896 trat Adolf Franke bei Siemens & Halske ein. Durch seine Initiative wurde im Bereich der zeitweise vernachlässigten Nachrichtentechnik der Anschluss an den Entwicklungsstand der USA wieder erreicht. Die Gründung der Telefunken-Gesellschaft (1903) und die Errichtung der Großfunkstelle Nauen (1906) gehörten zum Verantwortungsbereich von Franke. Bereits 1903 wurde Franke stellvertretendes, 1908 schließlich ordentliches Mitglied des Vorstands der Siemens & Halske AG. Nach dem Tod von Professor August Raps übernahm er 1921 den Vorsitz im Vorstand. 1932 trat Franke in den Aufsichtsrat über. Er konzentrierte sich nunmehr besonders auf die Zusammenfassung der Grundlagenforschung und die Lenkung der Entwicklungsarbeiten. Neben technischen und organisatorischen Fragen beschäftigte sich Franke auch mit Massenfertigung und dem Ausbildungswesen. So war er an der Errichtung der "Gauß-Schule" als Fachschule für Feinmechanik in Berlin beteiligt.
Otto Henrich, undatiert
Otto Henrich, Bergmannssohn aus Essen, trat 1896 als Jungingenieur in das Charlottenburger Werk von Siemens & Halske ein. Nachdem sich Carl Friedrich von Siemens eine sehr gute Meinung von Henrichs Fähigkeiten insbesondere bei der 1912/13 erfolgten organisatorischen Neuordnung und Schaffung der bilanzierenden Abteilungen der Siemens-Schuckertwerke AG gebildet hatte, ernannte er ihn im Jahr 1919 zum Vorsitzenden des Vorstands. Bereits früher waren Ernennungen zum stellvertretenden Mitglied des Vorstands (1905) bzw. zum ordentlichen Mitglied des Vorstands (1908) erfolgt. Die Gründung der Siemens-Rheinelbe-Schuckert-Union (1920), einer Interessengemeinschaft von Schwer- und Elektroindustrie, war von Henrich maßgeblich initiiert worden. Er schied 1921 aus dem Unternehmen aus, nachdem er eine Verbindung mit Tutty Bötzow, der früheren Ehefrau von Carl Friedrich von Siemens, eingegangen war.
Hans Kerschbaum, 1953
Nach einer Assistententätigkeit am Physikalischen Institut der Universität München trat Kerschbaum 1929 bei der Siemens & Halske AG als Assistent der Leitung des Zentrallaboratoriums ein. Im Jahr 1933 kam Kerschbaum als stellvertretender Werkleiter in das neu gegründete Röhrenwerk. Erst 41 Jahre alt, wurde er 1943 in den Vorstand berufen und mit der Leitung des Funkwerks betraut. Nach seiner Rückkehr aus russischer Internierung wurde Kerschbaum im Jahr 1949 ordentliches Mitglied des Vorstands und übernahm die Leitung der zusammengefassten nachrichtentechnischen Werke und der zentralen Entwicklung. 1954 bestellte ihn der Aufsichtsrat zum stellvertretenden Vorsitzenden, 1956 zum Vorsitzenden des Vorstands der Siemens & Halske AG. In den darauf folgenden zehn Jahren war er für die gesamte Schwachstromseite des Hauses Siemens verantwortlich. Bei der Zusammenfassung der drei Stammfirmen in die Siemens AG 1966 trat er in das neu gebildete dreiköpfige Vorstandspräsidium ein, aus dem er sich 1968 zurückzog.
Carl Köttgen, 1925
Erst 34jährig wurde Carl Köttgen 1905 in den Vorstand der Siemens-Schuckertwerke GmbH berufen. Von 1921 bis 1939 war Köttgen Vorsitzender des Vorstands. Als technisch herausragende Leistung konstruierte er 1903 die erste elektrische Schachtfördermaschine mit Ilgnerumformer, die auf der Zeche Zollern II bei Dortmund installiert wurde, sowie 1907 den ersten Doppel-Walzenstraßen-Motor für die Georgsmarienhütte bei Osnabrück. Große Bekanntheit erlangte er durch sein Engagement in technisch-wissenschaftlichen Fachverbänden. So führte er den Vorsitz im VDE (1926-1927) und im VDI (1929-1931) und leitete 1930 die Wirtschaftskonferenz in Berlin. Sein besonderes Interesse galt der Rationalisierungsbewegung. Wichtige Impulse für die Rationalisierungsansätze in Deutschland gab Köttgen mit seinen in den USA gewonnenen Erfahrungen über Methoden zur Steigerung der Produktivität. Nach dem Ausscheiden von Carl Friedrich von Siemens übernahm Carl Köttgen 1931 den Vorsitz im Reichskuratorium für Wirtschaftlichkeit (RKW).
Günther Scharowsky, undatiert
Günther Scharowsky begann seine berufliche Tätigkeit nach dem Ersten Weltkrieg bei den Siemens-Schuckertwerken im Entwicklungsbüro der Abteilung Industrie. 1938 wurde er in den Vorstand des Unternehmens berufen und 1949 zu dessen Vorsitzendem ernannt. 1951 übernahm Scharowsky die Funktion des Aufsichtsratsvorsitzenden der Gesellschaft. Sein Name ist eng mit dem Wiederaufbau der Siemens-Schuckertwerke AG nach dem Zweiten Weltkrieg verbunden. Nachdem die Unternehmensleitung kurz vor Kriegsende so genannte Gruppenleitungen für die außerhalb von Berlin gelegenen Siemens-Werke gebildet hatte, übernahm Scharowsky die Leitung der in Mitteldeutschland, Sachsen und Bayern gelegenen Werke sowie die Gesamtleitung der Siemens-Schuckertwerke AG. In dieser Funktion schuf er in der weitgehend unzerstört gebliebenen Universitätsstadt Erlangen, die zunächst provisorisch und ab 1949 offiziell als Hauptsitz der Siemens-Schuckertwerke AG fungierte, die Voraussetzungen für den Wiederaufbau von Siemens nach 1945.
Carl Friedrich von Siemens, 1924
Carl Friedrich von Siemens, der dritte und jüngste Sohn des Firmengründers Werner von Siemens, trat nach der Zäsur des Ersten Weltkriegs und dem Tod der beiden älteren Brüder Arnold und Wilhelm an die Spitze des Unternehmens. Als „Chef des Hauses“ gestaltete er die Entwicklung des Konzerns während der Weimarer Republik und des Nationalsozialismus unter schwierigen politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Seine strategischen Entscheidungen orientierten sich an dem Leitbild, die „Einheit des Hauses“ zu wahren und zu festigen. Seine Unternehmenspolitik zielte darauf ab, weiterhin ein Universalunternehmen der Elektroindustrie zu sein. Innerhalb der Branche engagierte sich Siemens als einziges Unternehmen sowohl in der Schwach- als auch in der Starkstromtechnik, wie man damals die Nachrichten- bzw. Energietechnik nannte. Carl Friedrich von Siemens’ Weitsicht trug wesentlich dazu bei, dass Siemens trotz der Kriegsverluste Mitte der 1920er Jahre wieder zu den weltweit führenden Elektrokonzernen zählte. Neben seiner Tätigkeit im Unternehmen war Carl Friedrich von Siemens als Reichstagsabgeordneter der Deutschen Demokratischen Partei politisch aktiv. Außerdem engagierte er sich durch die Übernahme zahlreicher Ämter und Ehrenämter in Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft.
Ernst von Siemens, 1962
Ernst von Siemens wurde 1903 als Sohn von Carl Friedrich und Enkel des Firmengründers Werner von Siemens in Kingston (Großbritannien) geboren. Nach dem Schulbesuch studierte er Physik an der Technischen Universität München. Seine Tätigkeit bei Siemens begann er 1929 im Berliner Wernerwerk für Fernmeldetechnik. 1943 wurde Ernst von Siemens zum stellvertretenden, 1948 zum ordentlichen Mitglied und 1949 zum Vorsitzenden des Vorstands von Siemens & Halske ernannt. 1945 erfolgte die Berufung zum stellvertretenden und 1948 zum ordentlichen Mitglied des Vorstands der Siemens-Schuckertwerke. Von 1956 bis 1971 war er Aufsichtsratsvorsitzender beider Stammgesellschaften bzw. der Siemens AG. Auch nachdem er den Vorsitz niedergelegt hatte, blieb Ernst von Siemens bis 1978 Mitglied des Aufsichtsrats und gehörte danach dessen Ehrenpräsidium an. Ernst von Siemens hatte am Wiederaufbau des Unternehmens nach dem Zweiten Weltkrieg entscheidenden Anteil. Vor allem durch die Wiederbelebung des Auslandsgeschäfts schuf er die notwendigen Voraussetzungen für die erfolgreiche Rückkehr des Unternehmens auf die Weltmärkte. Unter seiner Leitung wurden die Siemens & Halske AG, die Siemens-Schuckertwerke AG und die Siemens-Reiniger-Werke AG 1966 zur heutigen Siemens AG vereinigt. Neben seiner unternehmerischen Tätigkeit engagierte sich Ernst von Siemens für die Förderung der Wissenschaft und Künste.
Wolf-Dietrich von Witzleben, um 1950
Nach dem Ersten Weltkrieg kam Wolf-Dietrich von Witzleben zur Siemens & Halske AG, wo seine Arbeitsschwerpunkte von Anbeginn im Bereich der Personal- und Sozialpolitik lagen. Zwischen 1927 und 1941 leitete er das Büro von Carl Friedrich von Siemens und war somit dessen engster Mitarbeiter und Vertrauter. Im Jahr 1930 übernahm Witzleben zusätzlich die Leitung des Personalreferats, 1934 erfolgte die Ernennung zum stellvertretenden, 1939 zum ordentlichen Vorstandsmitglied der beiden Siemens-Stammgesellschaften. Im Mai 1945 übernahm er den Vorstandsvorsitz beider Häuser, den er bis 1949 ausübte. Witzlebens Verdienst besteht in der Wahrung der Einheit und im Wiederaufbau des Hauses Siemens nach Kriegsende unter schwierigen äußeren Rahmenbedingungen. Darüber hinaus hat er in der Aus- und Weiterbildung die Qualifizierung von Führungsnachwuchs entscheidend voran getrieben. Er war Mitbegründer der Baden-Badener Unternehmergespräche und Präsident des Deutschen Instituts zur Förderung des industriellen Führungsnachwuchses.