Verladung eines U-Bahnwagen für die "Blue Line" in Bangkok, 2003
Mit Beginn des Geschäftsjahrs 1989/90 wurden Betirebsstruktur und Organisationsform der Siemens AG weiterentwickelt: Im Rahmen der Strukturreform wurden die sieben konzerngroßen Unternehmensbereiche in 15 marktnahe, beweglich operierende Einheiten gegliedert. Innerhalb der dezentralen Struktur erhielten die operativen Einheiten des Hauses erheblich mehr Eigenverantwortung. Damit war die Basis geschaffen, um auch im Zeitalter der Globalisierung erfolgreich am Markt agieren zu können.
Nach der deutschen Wiedervereinigung galt es, den Aufbau Ost möglichst rasch voranzutreiben: Siemens übernahm innerhalb weniger Jahre elf Fertigungen in den neuen Bundesländern und baute eine Reihe von Vertriebsstandorten auf. Mit Öffnung der Staaten Mittel- und Osteuropas waren die Voraussetzungen für ein verstärktes unternehmerisches Engagement vor allem in den Infrastrukturbereichen Telekommunikation, Umweltschutz, Medizin- und Verkehrstechnik geschaffen.
Ab den 1990er Jahren wandelte sich Siemens von einer überwiegend auf öffentliche Kunden in regulierte Märkte ausgerichteten Kultur hin zu einem im globalen Wettbewerb stehenden Unternehmen, das sich immer stärker den Anforderungen der Shareholder stellen musste. Um diesen neuen Herausforderungen effektiv und effizient begegnen zu können, wurden einschneidende Programme entwickelt und umgesetzt. Die Reformkonzepte basierten auf den strategischen Säulen Produktivität, Innovation und Wachstum.
Früh identifizierte Siemens den Asien-Pazifik-Raum als Schlüsselmarkt: Bereits 1997 war das Unternehmen mit 45.000 Mitarbeitern, rund 70 Joint Ventures und über 60 Produktionsstätten fast flächendeckend in der Region vertreten.
Eine weitere Maßnahme bildete die kontinuierliche Anpassung des Geschäftsportfolios. Als größtes europäisches Unternehmen der Computer-Branche entstand 1990 die Siemens-Nixdorf Informationssysteme AG (SNI), die 1999 in die Fujitsu Siemens Computers AG eingebracht wurde. Die führende Stellung auf dem Weltelektromarkt konnte unter anderem durch die Übernahme der britischen Firma Plessey 1991 und der amerikanischen Rolm 1992 gefestigt und ausgebaut werden.
Ebenfalls in den USA übernahm Siemens 1998 das fossile Kraftwerksgeschäft von Westinghouse, um die Ertragskraft des Bereichs Energieerzeugung zu stärken. Mit dem Ziel, die Position auf dem amerikanischen Markt, dem größten Elektromarkt der Welt, zu stärken, wurde die Siemens-Aktie 2001 an der New York Stock Exchange eingeführt.
Ab Ende der 1990er Jahre wurde die Portfoliobereinigung durch Akquisitionen, Deinvestitionen, Neugründungen und Joint Ventures noch gezielter vorangetrieben. Im Zuge dessen erfolgte 1999 die Ausgliederung des Halbleiterbereichs und der damit verbundene Börsengang von Epcos und Infineon, 2001 der Erwerb einer Mehrheitsbeteiligung an der Atecs Mannesmann AG und die Zusammenlegung des Nukleargeschäfts mit der französischen Framatome sowie 2005 die Akquisition der VA Technologie AG.
Um Motivation und Qualifikation der Belegschaft durch eine größere Beteiligung am gesamten Prozessablauf zu erhöhen, verordnete sich Siemens 1993 ein „Fitnessprogramm“ mit dem Namen „top“ (time optimized process). 1998 wurde es unter Einsatz konkreter Management-Instrumente zu „top+“ erweitert. Zu seiner gesellschaftlichen Verantwortung bekannte sich Siemens mit dem 2000 erstmals vorgelegten Corporate Citizenship Report.
Die mittlerweile 160-jährige Geschichte von Siemens zeigt, wie Visionen wahr werden: angefangen bei Werner von Siemens, der als visionärer Erfinder und Unternehmer den technischen Fortschritt im 19. Jahrhundert entscheidend vorantrieb bis zum heutigen „Global network of innovation“, einem Netzwerk von über 450.000 Menschen in mehr als 190 Ländern der Erde.