Wasserkraftanlage San Nicolas in Argentinien, 1956
Nach den kriegsbedingten Zerstörungen und der folgenden Demontage wurden im Laufe des Jahres 1946 die ersten Fertigungsprogramme für den Bedarf der öffentlichen Versorgungsbetriebe wie Bahn, Post und Stromerzeugung aufgestellt. Bereits Ende 1945 belief sich die Beschäftigtenzahl schon wieder auf rund 40.000. Neben den Aufräumarbeiten waren Siemens-Mitarbeiter mit der Notfertigung von Gegenständen des täglichen Bedarfs wie Kohleschaufeln, Kochtöpfen und Herden beschäftigt.
Bereits in den letzten Kriegsmonaten hatte Siemens in Süd- und Westdeutschland so genannte Gruppenleitungen etabliert, die weitgehend unabhängig von der Berliner Zentrale den Wiederaufbau vorantrieben. Die Interessen des Hauses wurden für Siemens & Halske in München und für die Siemens-Schuckertwerke zunächst in Hof, später in Erlangen sowie in Mülheim a.d. Ruhr wahrgenommen.
Mit Blick auf die unsichere politische Lage von Berlin wurde im April 1949 die Umsiedlung des Firmensitzes von Siemens & Halske nach München, die des Firmensitzes der Siemens-Schuckertwerke nach Erlangen beschlossen, Berlin bleibt jeweils zweiter Firmensitz.
Während das Inlandsgeschäft langsam wieder anlief, blieb der Auslandsabsatz zunächst völlig unbedeutend. Dies sollte sich erst Mitte der 1950er Jahre ändern, nachdem es den Verantwortlichen gelungen war, nicht nur die beschlagnahmten Auslandsgesellschaften, sondern auch die Besitzrechte an Patenten und Marken zurückzuerwerben. Auf dieser Basis wurden ein neues Vertriebssystem und verschiedene Neugründungen in Angriff genommen.
Beispiele für den steigenden Exportanteil bildeten das 1956 fertiggestellte 300-MW-Kraftwerk San Nicolás in Argentinien oder das Landesfernmeldenetz für Saudi-Arabien. Außerdem knüpfte man wieder Kontakte mit der japanischen Fusi Denki Seizo KK und Westinghouse in Amerika. Bis Mitte der 1960er Jahre gelang es dem Siemens-Konzern, seine frühere Weltmarktposition zurückzugewinnen.
1953 entwickeln Siemens-Forscher im Halbleiter-Laboratorium Pretzfeld das Zonenziehverfahren zur Herstellung hochreinen Siliziums und revolutionieren damit die gesamte Elektrotechnik und Elektronik. 1965 stellte das Unternehmen die erste in Europa serienmäßig gefertigte integrierte Schaltung vor, die zur Schlüsseltechnologie für weite Bereiche der modernen Technik wurde und einen enormen Innovationsschub verursachte.
In der betrieblichen Sozialpolitik bildete der Wohnungsbau einen wichtigen Schwerpunkt. Mit Traunreut entstand 1951 ein eigner Ort; bald darauf wurden in der Münchener Siemens-Siedlung die ersten drei Wohnhochhäuser Bayerns erbaut. In den 1950er Jahren waren Lehrwerkstätten, Werksberufsschulen, Stammhauslehre und Meisterkurse Maßnahmen der beruflichen Aus- und Weiterbildung, die ab 1971 durch siemens-eigene Bildungszentren ergänzt wurden.