Fliegerschäden am Blockwerk in Siemensstadt, 1944
Die nationalsozialistische Wirtschaftspolitik verfolgte ab 1933 vor allem zwei Ziele: Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und „Wehrhaftmachung der deutschen Wirtschaft“. 1936 wurde ein Vierjahresplan verkündet, um Wirtschaft und Armee innerhalb weniger Jahre kriegsbereit zu machen. In die verstärkte Auftragserteilung durch öffentliche Stellen wurde auch die Elektroindustrie einbezogen und dadurch direkt oder indirekt den Zwecken der Kriegsvorbereitung unterworfen. Mit dieser Entwicklung setzte ein rasches Wachstum ein, das bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs anhielt.
Nach dem Überfall auf Polen 1939 begann in Deutschland der langsame Übergang zur Kriegswirtschaft. Die Produktion ziviler Bedarfsartikel wurde seitens des Staats eingeschränkt oder verboten, Einberufungen brachten einen wachsenden Arbeitskräftemangel mit sich.
Daher wurden immer mehr zivile ausländische Frauen und Männer in der Produktion eingesetzt. Zunächst handelte es sich um freiwillige Mitarbeiter, später um Zwangsverpflichtete. Sie wurden in der gesamten deutschen Wirtschaft, also in der Industrie, in öffentlich-rechtlichen Unternehmen und in der Landwirtschaft eingesetzt. Spätestens ab dem Winter 1941/42 war die deutsche Wirtschaft alternativlos auf Zwangsarbeiter angewiesen.
Im Herbst 1944, auf dem Höhepunkt des Zweiten Weltkriegs, beschäftigte Siemens bei einer Gesamtbelegschaft von 244.000 Mitarbeitern etwa 50.000 Arbeitskräfte gegen deren Willen. Die Gesamtzahl der bei Siemens während des Zweiten Weltkriegs eingesetzten Zwangsarbeiterinnen und -arbeiter liegt allerdings höher.
In den letzten Kriegsjahren wurden zahlreiche Werksanlagen, besonders in Berlin und anderen Großstädten, durch alliierte Luftangriffe zerstört. Um weiteren Verlusten vorzubeugen entschied die Unternehmensführung, die Produktion in Regionen zu verlagern, die nicht vom Luftkrieg betroffen waren. Es galt, die Fabrikation kriegs- und lebenswichtiger Güter aufrecht zu erhalten. Um die Jahreswende 1944/45 wurde nachweislich in fast 400 Ausweich- und Verlagerungswerken gearbeitet.
Der politische, militärische und wirtschaftliche Zusammenbruch führte nach dem 20. April 1945 zur Schließung der Berliner Siemenswerke. Nach Ende des Kriegs war ein Großteil der Siemens-Gebäude und Werksanlagen total zerstört. Der Gesamtverlust, den Siemens durch den Zweiten Weltkrieg erlitten hatte, belief sich auf 2,58 Milliarden Reichsmark. Das entsprach vier Fünftel der Unternehmenssubstanz.