Erste Werkstatt von Siemens & Halske in Berlin, 1847
Werner Siemens, seit 1888 Werner von Siemens, wurde 1816 in Lenthe bei Hannover geboren. Da die wirtschaftliche Situation seiner Familie ihm kein Universitätsstudium ermöglichte, trat er 1835 in die preußische Armee ein. An der Artillerie- und Ingenieurschule in Berlin absolvierte er eine dreijährige Fachausbildung in Mathematik, Physik, Chemie und Ballistik.
1842 erhielt er für sein Verfahren der galvanoplastischen Vergoldung und Versilberung ein erstes preußisches Patent. Sein jüngerer Bruder Wilhelm konnte diese Erfindung in England kommerziell nutzen.
1846 gelang es Werner von Siemens, den Wheatstoneschen Telegrafen zu verbessern. Mit einfachen Mitteln – Zigarrenkisten, Weißblech, Eisenstückchen und isoliertem Kupferdraht – konstruierte er einen eigenen Zeigertelegrafen. Die Ausführung seines Apparats überließ er dem Mechaniker Johann Georg Halske, der von dem einfachen, aber zuverlässigen System überzeugt war. Unter dem Namen „Telegraphen-Bauanstalt von Siemens & Halske“ gründeten beide im Oktober 1847 in Berlin ihr Unternehmen. In einem Hinterhaus in der Schöneberger Straße 19 richteten sie eine kleine Werkstatt ein. Eine Woche nach der Firmengründung wurde die Konstruktion des Zeigertelegrafen in Preußen patentiert.
1847 entwickelte Werner von Siemens eine Guttaperchapresse, dank derer die nahtlose Isolierung von Kupferdrähten möglich wurde. Neben dem Zeigertelegrafen hatte er damit eine weitere wichtige Voraussetzung für die Entstehung des modernen Nachrichtenverkehrs geschaffen. 1848 erhielt die Firma den staatlichen Auftrag für den Bau einer Telegrafenlinie von Berlin nach Frankfurt am Main. Sie wurde zum ersten großen Erfolg: Siemens gelang es, die Linie rechtzeitig zur Wahl des preußischen Königs zum Deutschen Erbkaiser fertig zu stellen.
Als das Unternehmen zu Beginn der 1850er Jahre wegen fehlender Anschlussaufträge des preußischen Staats in eine Krise geriet, sorgten Geschäfte mit Russland und England für neuen Aufschwung. 1853 begann Siemens & Halske mit dem Bau des russischen Telegrafennetzes. Die Länge dieses Netzes, das sich von Finnland bis zur Krim erstreckte, betrug rund 10.000 km. Hierfür wurden mit der russischen Regierung Wartungsverträge abgeschlossen. 1855 gründete Werner von Siemens eine russische Zweigniederlassung in St. Petersburg, deren Leitung er seinem Bruder Carl übertrug.
Parallel entwickelten sich auch die Aktivitäten in England positiv. Das Englandgeschäft verantwortete Werner von Siemens‘ Bruder Wilhelm, der später nach England übersiedelte und sich Charles William Siemens nennen ließ.. 1858 wurde die englische Niederlassung „Siemens, Halske & Co.“ gegründet, die ab 1865 unter dem Namen „Siemens Brothers“ firmierte. Die englische Siemens-Zweigstelle beschäftigte sich vor allem mit der Herstellung und Legung von Seekabeln, die ab 1863 im ersten Siemens-Kabelwerk in Woolwich an der Themse gefertigt wurden.