Montagehalle der AEG-Turbinenfabrik in Berlin-Moabit, 1927
Zwischen Ende März und Mitte November 1909 errichtete die Allgemeine Elektrizitätsgesellschaft (AEG) auf dem Areal ihrer Turbinenfabrik in Berlin-Moabit eine neue Montagehalle, die nunmehr seit 100 Jahren für Schlagzeilen sorgt: 1909, weil das von Peter Behrens entworfene Gebäude aus den modernen Baumaterialien Eisen, Glas und Beton an der Ecke Huttenstraße, Berlichingenstraße einen Meilenstein der modernen Industriearchitektur verkörpert hat, der von Zeitgenossen als „eiserne Kirche“, „Kathedrale der Arbeit“ und „Maschinendom“ gefeiert worden ist; 2009, weil die seit über 50 Jahren unter Denkmalschutz stehende Halle nach wie vor ihrem ursprünglichen Bestimmungszweck dient, dass heißt dem Bau von Turbinen.
Aus Anlass des Hallenjubiläums hat das Gasturbinenwerk Berlin, das seit 1977 zur Siemens AG gehört, in Zusammenarbeit mit dem Landesdenkmalamt Berlin am 18. November ein Symposium veranstaltet, an dem neben internen Gästen rund 40 Architekten, Bauingenieure, Historiker sowie Technik- und Wirtschaftsarchivare unterschiedlicher wissenschaftlicher und städtischer Einrichtungen teilgenommen haben. An die Eröffnung der Veranstaltung und Einführung in das Thema durch den Leiter des Landesdenkmalamtes Berlin, Herrn Prof. Dr. Jörg Haspel, schloss sich zunächst eine Führung durch die (im Verlauf ihres Bestehens zweimal verlängerte) Montagehalle an, in der sich heute unter anderem die mechanische Bearbeitung von Gasturbinenkomponenten sowie die Fertigung von Gasturbinenläufern befinden.
Während dieser Führung spielten nicht nur architektonische und standorthistorische Fragen eine Rolle, sondern auch Bauvorhaben in der Montagehalle, die erforderlich sind, um die Gasturbinen der nächsten Generation herstellen zu können. Der Nachmittag des Veranstaltungstages war Fachvorträgen vorbehalten. Sie befassten sich in einem ersten Komplex mit dem Stellenwert der Montagehalle innerhalb der europäischen Industriearchitektur zwischen der Mitte des 19. und dem frühen 20. Jahrhundert (Rolf Höhmann, Büro für Industriearchitektur) und im historischen Erbe der Elektropolis Berlin (Dr. Hubert Staroste, Landesdenkmalamt Berlin) sowie mit dem Statiker des Gebäudes, dem Regierungsbaumeister Karl Bernhard (Prof. Cengiz Dicleli). In einem zweiten Komplex widmeten sich die Referenten der Rezeption der Montagehalle und – darüber hinausgehend – des Standortes in den Künsten (Dr. Claudia Salchow, Historisches Archiv des Gasturbinenwerks Berlin) sowie der Architektur der Siemensstadt (Dr. Frank Wittendorfer, Leiter des Siemens-Archivs).
02.12.2009 | Claudia Salchow, Berlin