Filmstill aus „Impuls unserer Zeit“: Blick in eine Generatorenhalle
Mitte der 1950er Jahre war der Wiederaufbau des Elektrounternehmens abgeschlossen. Innerhalb der Firmenleitung bestand bereits seit Längerem der Wunsch, das Leistungsspektrum, die Innovationskraft und Internationalität des Hauses zum Gegenstand eines Unternehmensfilms zu machen. Vor allem den zahlreichen neuen Mitarbeitern, die seit Kriegsende für Siemens tätig waren, sollte mit Hilfe dieses Kommunikationsmittels ein Gefühl für die Leistungsfähigkeit ihres Arbeitgebers vermittelt werden. Mit der Produktion des „abendfüllenden Tonfarbfilms“ wurde die in München ansässige Gesellschaft für bildende Filme (GBF) beauftragt.
Die Dreharbeiten für das dokumentarische Porträt aller Produktions- und Forschungsbereiche des Hauses begannen 1957; eine externe Filmcrew bereiste acht Monate lang über 34 Länder auf vier Kontinenten. In dieser Zeit entstanden faszinierende Aufnahmen von Großprojekten in fernen Ländern. Darüber hinaus näherte sich der Film dem Thema Elektrotechnik aus einer völlig neuartigen Perspektive, indem zum Beispiel eine Kamerafahrt durch eine arbeitende Fernschreibmaschine oder die Umwandlung des Kristallgefüges von Aluminiumoxid gezeigt wurde. Nicht zuletzt wegen dieser einzigartigen Bilder galt der Siemens-Film „Impuls unserer Zeit“ jahrelang als die Dokumentation der Elektrotechnik schlechthin.
Auch bei der musikalischen Untermalung des Dokumentarfilms betrat man Neuland: Die Handlung, die ausschließlich in der Welt der Technik spielte sollte, konsequent von technischen Klängen begleitet werden. Entsprechend kreierte der junge Komponist und Orff-Schüler Josef Anton Riedl in einem eigens für diese Zwecke von Siemens eingerichteten Tonstudio erstmals computergestützte „elektronische Musik“. Die betriebsfähigen Reste dieses Siemens-Studios für elektronische Musik befinden sich übrigens im Deutschen Museum, München.
Am 16. Oktober 1959 wurde der Siemens-Film in einem Münchener Premierenkino uraufgeführt; es folgten zunächst interne Vorführungen für die Münchener Belegschaft sowie deren Angehörige und Freunde. Anschließend wurde der Film in allen größeren deutschen Städten und an allen inländischen Siemens-Standorten gezeigt. Die Resonanz auf den avantgardistischen Unternehmensfilm übertraf alle Erwartungen – „Impuls unserer Zeit“ erhielt zahlreiche Filmpreise. So konnte der Produzent und Regisseur Otto Martini auf der X. Berlinale 1960 den Bundesfilmpreis und zwei Filmbänder in Gold entgegen nehmen; die Wiesbadener Filmbewertungsstelle verlieh dem Industriefilm das Prädikat „besonders wertvoll“.
In den folgenden Jahren wurde „Impuls unserer Zeit“ in insgesamt 13 Sprachen synchronisiert. In zehn Jahren sahen ihn mehr als acht Millionen Zuschauer im In- und Ausland.
Alexandra Kinter