Das alljährliche Treffen der Radiologischen Gesellschaft Nordamerikas – kurz RSNA (Radiological Society of North America) – ist der weltweit größte Kongress für Radiologie. Er findet seit Jahrzehnten in Chicago statt und ist für viele medizinische Fachrichtungen das zentrale Ereignis, um sich über die neuesten Trends und Methoden in der Bildgebung und Therapie zu informieren. Das erste Treffen wird Ende 1915 in einem Chicagoer Hotel organisiert. Während zunächst der fachliche Austausch der Mitglieder im Vordergrund steht, beginnen einzelne Firmen Mitte der 1930er Jahre, ihre Produkte auf dem RSNA vorzustellen. Unter ihnen auch der Medizintechnik-Bereich von Siemens, der 1936 erstmals seine Neuheiten aus dem Gebiet der Bildgebung ausstellt.
Aus Anlass des diesjährigen RSNA haben wir eine Bilderchronik zusammengestellt, die die Präsenz von Siemens auf dieser wichtigen Veranstaltung dokumentiert.
Siemens gründet 1953 in den USA ein technisches Servicebüro für medizintechnische Geräte. Bis 1957 erfolgt deren Vertrieb durch die Firma Westinghouse. In diesen Jahren werden die Siemens-Produkte auf den Ausstellungsflächen von Westinghouse präsentiert.
Ab 1957 organisiert die spätere „Siemens Medical of America“ erste eigene Produktpräsentationen auf dem RSNA. In einem internen Nachbericht zum „Röntgen-Kongress“ in Chicago 1965 ist zu lesen, dass der RSNA „lebhaft wie immer [gewesen sei] und heuer von über 2.500 Radiologen besucht“ wurde. Mit Blick auf die Interessen und Bedürfnisse der amerikanischen Kunden werden vor allem Spezialgeräte ausgestellt, darunter das Röntgengerät Sireskop, der Drei-Phasen-Generator Gigantos oder das Röntgenbild-Bearbeitungsgerät Ampex. 1966 belegt der Siemens-Stand 30 Quadratmeter.
Im Verlauf der 1970er Jahre wächst das Interesse am RSNA kontinuierlich. Bis 1975 steigt die Zahl der Aussteller auf 211 Unternehmen, die Veranstaltung wird von 10.000 Teilnehmern besucht. Erstmals findet der RSNA auf einem Areal am McCormick Place in Chicago statt, die Ausstellungsfläche beträgt inzwischen 13.000 Quadratmeter. Zusätzlich zu den Radiologen interessieren sich jetzt auch verstärkt Universitäten und deren Forscher für das Treffen. Und auch die vorgestellten Einsatzmöglichkeiten der Röntgentechnik werden immer vielfältiger: Ihrer wachsenden Bedeutung entsprechend gehört nun auch die interventionelle Radiologie zu den RSNA-Themen.
Das Highlight des Jahres 1975 ist die Computertomographie (CT). Nachdem Siemens bereits im Vorjahr erstmals CT-Aufnahmen eines Kopfes gezeigt hatte, präsentiert man der Weltöffentlichkeit 1975 den CT-Schädelscanner Siretom. 1976 folgt mit dem Somatom der erste Ganzkörper-CT von Siemens. Auf einer Fläche von 325 Quadratmetern präsentiert Siemens darüber hinaus verschiedene Röntgendiagnose- und Therapiegeräte sowie das Ultraschallgerät Vidoson.
Während der 1970er und 1980er Jahre wechselt der RSNA, der inzwischen von einem umfangreichen wissenschaftlichen Programm begleitet wird, wiederholt den Veranstaltungsort. Außer in Chicago treffen sich die Mitglieder der Radiologischen Gesellschaft Nordamerikas auch in Dallas, Washington und Atlanta. Ab 1985 bleiben die Organisatoren Chicago treu – bis heute.
Über die Jahre entwickeln sich die radiologischen Systeme beständig weiter. Immer mehr und neue bildgebende Verfahren werden auf dem RSNA vorgestellt – und etablieren sich am Markt. Darunter auch die Magnetresonanz (MR)- oder Kernspin-Tomographie, eine diagnostische Methode, die hoch aufgelöste Bilder des menschlichen Körpers ohne Anwendung von Röntgenstrahlen liefert. 1982 präsentiert Siemens unter der Bezeichnung „Magnetom“ seinen ersten Magnetresonanztomographen mit supraleitendem Magneten in zwei verschiedenen Feldstärken.
Mitte der 1980er Jahre verändert sich der Siemens-Stand, er wird „großzügiger und offener“. Auf insgesamt 1.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche präsentiert man einem zunehmend internationalen Fachpublikum die umfangreiche Produktpalette des Hauses. Schließlich haben Ärzte und Krankenhausbetreiber rund um den Globus jenseits des RNSA kaum Gelegenheit, Produkte und Systeme unterschiedlicher Anbieter direkt miteinander vergleichen zu können. Und auch der persönliche Austausch mit Experten und Kollegen aus aller Welt gewinnt immer stärker an Bedeutung.
1990 besuchen über 50.000 Teilnehmer den Kongress; bei der Hälfte von ihnen handelt es sich jedoch um Mitarbeiter der inzwischen über 500 ausstellenden Unternehmen. Die räumlichen Kapazitäten im McCormick Center sind ausgeschöpft und viele wissenschaftliche Veranstaltungen finden außerhalb des Geländes statt. Die Produktpalette von Siemens ist größer denn je und reicht von Computertomographen über nuklearmedizinische Geräte bis zu Ultraschall und Dental-Geräten.
In den 1990er Jahren gewinnt die IT für Systeme der Medizintechnik kontinuierlich an Bedeutung. Anfangs spielt vor allem die Speicherung der aufgenommenen Bilddaten eine große Rolle. 1992 wird der Standard für die digitale Kommunikation von Bilddaten DICOM (Digital Imaging and Communications in Medicine) vorgestellt. In aktualisierter Form ist er noch heute für das Speichern und den Informationsaustausch im medizinischen Bilddatenmanagement wichtig. Die zu jedem Patienten vorliegenden umfangreichen Informationen sind für eine gezielte Behandlung wichtig und werden mithilfe moderner Informationstechnologie verwaltet. Siemens bietet hierfür unterschiedliche IT- und Software-Lösungen an.
Im Bemühen um die Aufmerksamkeit der RSNA-Teilnehmer stehen die Auftritte von Siemens seit 2000 unter einprägsamen Messe-Slogans. Den Anfang macht die Kampagne „Best Practice Integration“. Sie wird abgelöst von „Proven Outcomes“, die wegen des großen Erfolgs mehrere Jahre fortgesetzt wird. Hierfür berichten Kunden, auf welche Weise ihnen der Einsatz neuer Siemens-Technologien geholfen hat.
Immer wieder setzt die Siemens-Medizintechnik Trends auf dem RSNA. So auch 2005 als man in Chicago erstmals den neuen Computertomograph Somatom Definition präsentiert. Das Gerät hat gleich zwei Röntgenstrahler – Dual Source genannt – und seine Bildqualität ist enorm. Außer dieser Weltneuheit stehen IT-Lösungen und Einblicke in die Molekularmedizin im Mittelpunkt der Ausstellung. Im Jahr darauf wird das präsentierte Portfolio im Zuge der Neuausrichtung des medizintechnischen Geschäfts von Siemens um Systeme und Produkte auf dem Gebiet der Labordiagnostik ergänzt.
2010 besuchen über 60.000 internationale Gäste den RSNA. Unter dem Motto „Images, my way“ haben sie Gelegenheit, sich auf dem Siemens-Stand über die aktuellen Innovationen der Bildgebung zu informieren. Highlight der Präsentation des Sektors Healthcare ist das neue System Biograph mMR: Hierbei handelt es sich um das weltweit erste integrierte molekulare MR-Ganzkörpersystem mit simultaner Aufnahmetechnik, das für viele medizinische Bereiche völlig neue Anwendungsbereiche ermöglicht. Zusätzlich wird das Thema Strahlenreduzierung bei Röntgenuntersuchungen immer wichtiger, dem Siemens mit der Kampagne „Low Dose“ erfolgreich begegnet.
Auf dem 97. Treffen der Radiologischen Gesellschaft Nordamerikas in Chicago nimmt Siemens eine führende Stellung im Bereich der bildgebenden Systeme ein. Auf dem Stand im East Building/Lakeside Center, Halle D präsentiert das Unternehmen technische Innovationen für Krankenhäuser und Ärzte aus der ganzen Welt. Der futuristisch anmutende Auftritt steht unter dem Motto „Images, leading the way“ und soll Ärzten weltweit demonstrieren, wie moderne Bildgebung sich auf eine verbesserte Diagnose auswirken kann. Im Mittelpunkt stehen dabei Lösungen, die unterschiedliche Gesundheitssysteme einbeziehen und länderspezifische Anpassungen erfordern.
23. November 2012 – Bianca Braun und Christoph Frank