John Rabe (links) vor dem Siemens-Büro in Nanjing, ca. 1935
John Rabe wurde am 23. November 1882 in Hamburg geboren. Nach einer dort absolvierten kaufmännischen Lehre war er von 1903 bis 1906 in Afrika tätig, seit 1908 schließlich in China. Um 1910/11 trat Rabe als kaufmännischer Angestellter in die Pekinger Filiale von Siemens China & Co. ein, einer Siemens-Auslandsvertriebsgesellschaft. Bereits drei Jahre später erweiterte man seinen Verantwortungsbereich und ernannte ihn zum Handlungsbevollmächtigten. 1931 wurde John Rabe in die Siemens-Niederlassung der damaligen chinesischen Hauptstadt Nanjing (Nanking) versetzt und zum Geschäftsführer ernannt.
Während des sogenannten Massakers von Nanjing 1937 wurde Rabe zum Vorsitzenden eines internationalen Komitees gewählt, das eine Sicherheitszone zum Schutz der Zivilbevölkerung vor den Gräueltaten der japanischen Truppen einrichtete. In diesem Zusammenhang hatte die Hoffnung eine Rolle gespielt, Rabe könne als Deutscher und NSDAP-Mitglied Einfluss auf die mordenden japanischen Soldaten nehmen. Zeitweise nahm Rabe chinesische Zivilisten sogar in seinem Haus und auf seinem Grundstück auf. Man schätzt, dass dank seiner Hilfe bis zu 250.000 Menschen gerettet werden konnte. Für sein humanitäres Wirken erhielt er von der chinesischen Regierung hohe Auszeichnungen.
Nach seiner Abberufung aus Nanjing kehrte Rabe im Frühjahr 1938 nach Berlin zurück. Hier versuchte er immer wieder vergeblich, auf die Verbrechen an der chinesischen Zivilbevölkerung aufmerksam zu machen, bis ihm seine Aktivitäten schließlich untersagt wurden. Im Anschluss an eine vorübergehende Tätigkeit im Vertriebsbüro Kabul der Siemens-Schuckertwerke wurde Rabe in der Auslandsabteilung des Berliner Stammhauses mit Personalfragen betraut und kümmerte sich um im feindlichen Ausland in Übersee internierte Siemens-Mitarbeiter. Ein Entnazifizierungsverfahren gewann er aufgrund seiner humanitären Verdienste in zweiter Instanz, so dass er 1946 erneut für Siemens arbeiten konnte – als Übersetzer in wenig verantwortungsvoller Stellung. Verarmt und vergessen starb er am 5. Januar 1950 in Berlin.
Heute pflegt die Siemens AG die Erinnerung an John Rabe durch ehrenamtliches und materielles Engagement. In Nanjing unterstützte Siemens die Renovierung von Rabes früherem Haus, das seit 2006 als Forschungszentrum und Museum dient. Am 23. November 2012, dem Tag von Rabes 130. Geburtstag, wird an dessen früherem Wohnhaus in der Harriesstraße in Siemensstadt eine Gedenktafel enthüllt. Ein Tag zuvor, am 22. November 2012, jährt sich die Errichtung der Sicherheitszone Nanjing zum 75. Mal.
Dr. Frank Wittendorfer
Zum Weiterlesen
John Rabe. Der gute Deutsche von Nanking, hrsg. v. Erwin Wickert. Stuttgart 1997