Die Abenteuergeschichte beginnt mit dem Auslaufen des Spezialschiffs Faraday zur Kabelverlegung im Mai 1874 und endet mit dem Betrieb des Telegraphenkabels. Dazwischen liegt eine Reihe von Schwierigkeiten, Misserfolgen und Frustrationen. So wusste man damals so gut wie nichts über die Beschaffenheit des Meeresbodens. Man wusste auch nicht, ob das Material dem enormen Druck standhalten würde, dem das Kabel in einer Tiefe von bis zu 5.000 Metern ausgesetzt war und ob der Strom auf der über 3.000 Kilometer langen Strecke zwischen Europa und Amerika nicht unterbrochen würde. Halbwegs verlässliche Wettervorhersagen gab es ebenfalls noch nicht – und als sei das nicht schon Unsicherheit und Risiko genug, lautete die bange Frage: Was, wenn das Kabel unterwegs reißt?
Es war also ein großes technisches und nautisches Abenteuer, das die Männer an Bord des Kabeldampfers bestehen mussten: Wetter und heftige Stürme, das Reißen des Kabels, der vermeintliche Untergang der „Faraday“, mehrmaliger Abbruch der Arbeiten und Rückkehr in den Hafen, Probleme beim Wiederauffinden des Nachrichtenkabels auf dem Meeresgrund und andere Herausforderungen galt es zu meistern. Doch auf den zwei CDs werden nicht nur die dramatischen Geschehnisse an Bord des Schiffes, sondern auch die Ereignisse, die vor der eigentlichen Kabellegung stattgefunden haben, in Rückblenden erzählt. Wichtige Hintergrundinformationen zu den technischen, wirtschaftlichen und finanziellen Rahmenbedingungen runden die Geschichte ab.
Damals war jede neu verlegte Telegraphenlinie eine Pioniertat, die gleichzeitig ein hohes wirtschaftliches Risiko barg. Dies wird nicht zuletzt durch die Tatsache deutlich, dass von den ersten Anfragen amerikanische Geschäftsleute an Siemens, ein von dem Monopol der Anglo American Telegraph Company unabhängiges direktes deutsch-amerikanisches Kabel zu verlegen, bis zum Auslaufen des Schiffes gut drei Jahre vergingen. Jahre, in denen die Brüder, was die Planung, Finanzierung und Durchführung des Projekts anging, nicht immer einer Meinung waren. Auch während der Kabellegung gab es genug Situationen, in denen ihr Glaube an den Erfolg des Projekts auf eine harte Probe gestellt werden sollte – wie zahlreiche Briefe, die in den Beständen des Unternehmensarchivs überliefert sind, belegen.
Für das Hörspiel wurden diese Briefe sowie die Depeschen, die sich die Siemens-Brüder in den 1870er Jahren geschrieben haben, ausgewertet. Bei den Dialogen zwischen Werner, William und Carl von Siemens handelt es sich um wortgetreue Auszüge aus der Korrespondenz der drei Brüder rund um das Kabelprojekt. Sie zeigen deutlich, dass – bei allen Auseinandersetzungen und Spannungen – deren Glaube an die Qualität und den Nutzen ihrer Arbeit ausschlaggebend für den Erfolg dieser Pionierleistung war.
Das Hörspiel „Europa ruft Amerika. Drei Brüder, der Ozean & ein Kabel“ umfasst zwei CDs (108 Minuten) sowie ein 32seitiges Booklet mit vielen Informationen und Abbildungen. Es ist im Buchhandel oder direkt bei Campfire Media erhältlich, ISBN 978-3-00-039541-3.
Sabine Dittler