Heinrich Welker, 1970
Heinrich Welker wurde am 9. September 1912 in Ingolstadt geboren. Nach Abschluss des Gymnasiums ging er nach München, wo er Mathematik und Physik studierte. Von 1935 bis 1940 arbeitete er als Wissenschaftlicher Assistent bei Arnold Sommerfeld am Institut für Theoretische Physik und promovierte 1936 mit einer Arbeit über Wellenmechanik. In dieser Zeit galt sein Interesse vor allem der Supraleitung; ein Thema, mit dem er sich drei Jahre später an der Universität München habilitieren sollte.
Nach Arbeiten bei der Drahtlos-Telegraphischen und Luftelektrischen Versuchsstation Gräfelfing sowie deren Nachfolger, dem Flugfunk-Forschungsinstitut Oberpfaffenhofen e.V., war er als Wissenschaftler am Physikalisch-Chemischen Institut der Universität München tätig: Hier gelang ihm 1942 der Nachweis der Halbleitereigenschaften von Germanium, und er entwickelte eine Gleichrichteranordnung für hochfrequente elektromagnetische Wellen. Nach diesem Patent wurden bei Siemens bis 1945 rund 10.000 Richtleiter aus Reinstgermanium hergestellt. Außerdem erarbeitete er eine erste Theorie des später sogenannten Feldeffekttransistors mit kapazitiver Steuerung des Stroms in einer Dreielektroden-Halbleiteranordnung.
Nach einem kurzen Intermezzo mit eigenem Ingenieur-Büro in Planegg bei München, entschloss sich Welker, ins Ausland zu gehen. 1947 übernahm er die Laborleitung der französischen Landesgesellschaft von Westinghouse in Paris. Doch bereits vier Jahre später kehrt er nach Deutschland zurück und entdeckte 1951 als Leiter der Abteilung Festkörperphysik der Siemens-Forschung in Erlangen die III/V-Verbindungen aus Elementen der 3. und 5. Gruppe des Periodensystems. Diese Entdeckung führte zu einer breiten Anwendung galvanomagnetischer und optoelektronischer Effekte sowie zu völlig neuen Schaltelemente der Mikroelektronik. Darunter auch Gallium-Arsenid – bis heute ein wichtiger Baustein von Hochfrequenz-Bauteilen oder Halbleiterlasern für die Optoelektronik.
Mit der Übernahme des gesamten Forschungslaboratoriums der Siemens-Schuckertwerke in Erlangen wurde Welker samt der von ihm aufgebauten Forschungsgruppe ein Wegbereiter der Mikrowellen-Halbleiterbauelemente sowie der LED und Laserdioden auf Basis der Verbindungshalbleiter. Im Zuge der Gründung der Siemens AG wurden die Forschungslaboratorien an den Standorten München und Erlangen 1969 organisatorisch zusammengeführt und Welker unterstellt. Von 1973 bis 1977 leitete er die Zentrale Forschung und Entwicklung. Nach seinem Übertritt in den Ruhestand war der 65-jährige noch ein Jahr Präsident der Deutschen Physikalischen Gesellschaft.
Heinrich Welker starb am 25. Dezember 1981 in Erlangen. Zusätzlich zu zahlreichen Auszeichnungen, die er bereits zu Lebzeiten erhalten hatte, ehrte ihn die Siemens AG 1982 posthum mit der Stiftung der Heinrich Welker Medal, einer Goldmedaille, die gemeinsam mit dem GaAs Symposium Award des „International Symposium on Gallium Arsenide und Related Compounds“ vergeben wird.
10. September 2012 – Dr. Franz Hebestreit