Titelblatt einer Druckschrift
Nachdem im April 1966 die Entscheidung gefallen war, die XX. Olympischen Sommerspiele an die Bundesrepublik Deutschland zu vergeben, wurde in München, Kiel, Nürnberg und Augs-burg sofort mit den Vorbereitungen auf dieses Großereignis begonnen. In der bayerischen Landeshauptstadt beschloss man, den Bau der U-Bahn-Linie U3 zum künftigen Olympia-Gelände am Oberwiesenfeld gegenüber der bisherigen Planung vorzuziehen. Auch der
S-Bahn-Bau wurde forciert und die Projekte für das Olympia-Gelände mit neuem Stadion, Wohnungen usw. in Angriff genommen.
Siemens konnte mit seinen vielfältigen Infrastrukturlösungen in München zahlreiche Meilen-steine setzen: von der Baustromversorgung für das Olympia-Gelände, dem S- und U-Bahnbau über das Olympia-Rechenzentrum bis hin zu den Farbfernseh-Übertragungen und dem Ärztezentrum.
Überblick über die wichtigsten Projekte
Siemens versorgte nicht nur die Großbaustelle am Olympia-Gelände über tausende Meter Hochspannungskabel und Dutzende Transformatorstationen mit Strom, sondern zeichnete auch für das Kontrollzentrum sowie die Stromversorgung des Olympia-Stadions und der Fernsehübertragungszentrale verantwortlich.
Um die Millionen Besucher schnell und sicher zu den Sportstätten bringen zu können, musste der öffentliche Verkehr in München massiv ausgebaut werden: Siemens konnte hier bei der Ausrüstung von S- und U-Bahn, der Signaltechnik und den Notrufsystemen ebenso unterstützen wie beim Ausbau der Verkehrsüberwachung. Eine Investition, die noch heute die Infrastruktur der Stadt prägt.
Für das Olympia-Rechenzentrum wurden fünf Computer installiert, die rund um die Uhr die Ergebnisse aus den verschiedenen Wettkampforten in Sekundenschnelle evaluierten. Gleichzeitig konnte man sich anhand eines „elektronischen Superlexikons“ über die Resultate, die Athleten und andere Fakten zu den Olympischen Spielen seit 1896 informieren. Mehr als 15.000 Kilometer Kabel wurden verlegt, um die Computer mit 400 Fernschreibern, 50 Druckern und
100 Anzeigetafeln in den Stadien, den Pressezentren und Informationsbüros zu verbinden.
Für die globale Kommunikation rüstete Siemens eine spezielle Fernsehstation zur gleichzeitigen Übertragung von 12 TV-Sendungen und 60 Kommentatoren in 45 Sprachen aus. Zusätzlich installierte man ein internes Übertragungssystem mit bis zu 15 Programmen und 3000 angeschlossenen Empfängern. Um die Übertragungen der farbigen Live-TV-Bilder europa- und weltweit sicherzustellen, beauftragte die Deutsche Post Siemens mit dem Bau einer dritten Satellitenantenne in der Erdefunkstelle Raisting sowie einer Reihe von Funkstrecken vom Münchner Fernsehturm nach Frankfurt. Auch das Telefonnetz wurde massiv ausgebaut.
Im Olympia-Stadion installierte Siemens ein Rohrpostsystem sowie die Lautsprecher- und Lichtanlage. Gerade letztere stellte eine große Herausforderung dar, da das neu eingeführte Farbfernsehen nach Tageslichtqualität verlangte. 550 Flutlichtscheinwerfer tauchten schließlich das Stadion in gleißendes Licht und ermöglichten Farbfernsehübertragungen zu jeder Tageszeit.
Auch bei der medizinischen Versorgung der Sportler, Funktionäre und Pressevertreter
konnte Siemens punkten und stattete das Ärztezentrum des Olympischen Dorfes mit Röntgendiagnostik, Geräten für die Physikalische Therapie und Nuklearmedizin sowie mit labordiagnostischen Apparaten aus.
Diese Zusammenstellung der wichtigsten Projekte zeigt, wie entscheidend Siemens aufgrund des breiten Portfolios am Gelingen der Olympiade in München beteiligt war und hier eindrücklich seine Kompetenz demonstrieren konnte.
Trotz des auch in technischer Hinsicht großen Erfolgs der XX. Olympischen Spiele bleiben die „heiteren Spiele von München“ jedoch für immer von einem tragischen Ereignis überschattet: Am 5. September 1972 verübten palästinensische Terroristen eine Anschlag auf die israelische Olympia-Mannschaft, der in einem Massaker endete. Die Spiele wurden nach einem Trauertag fortgesetzt.
23. August 2012 – Dr. Franz Hebestreit