Rundschreiben vom 8. Februar 1902
Auf dem Gebiet der Öffentlichkeitsarbeit mündeten Versuche, Informationen über die deutschen Siemens-Unternehmen zentral zu koordinieren und zu steuern im Februar 1902 in der Gründung einer „Centralstelle für das Pressewesen“. Als Stabsstelle unterstand diese direkt der Unternehmensleitung.
E. Neisser, der Leiter der Centralstelle, sollte persönlich die Beziehungen zu Redaktionen und Journalisten pflegen, Artikel verfassen und diese in relevanten Blättern lancieren. Neben der Aufgabe, die Pressevertreter mit Informationen zu versorgen, waren die Mitarbeiter auch für die Media-Beobachtung und die Insertion firmenwerblicher Anzeigen zuständig. In Abgrenzung dazu verantwortete das sogenannte Literarische Büro (1900 gegr.) das Sammeln, Aufbereiten und Weiterleiten von produktbezogenen Informationen und sonstigen technischen Leistungen an die technisch-wissenschaftlichen Fachmedien.
Die wachsende Bedeutung, die der Tages- und Wirtschaftspresse seitens des Unternehmens eingeräumt wurde, spiegelt sich auch in der Tatsache, dass Publikationen einzelner Mitarbeiter nunmehr einer Freigabe durch die jeweiligen Abteilungsleiter bedurften. Veröffentlichungen, deren Inhalt die Arbeit mehrerer Abteilungen berührte, mussten einer siebenköpfigen Pressekommission des Vorstands vorgelegt werden.
Im Rahmen der Neuorganisation der Siemens-Firmen 1913 wurde die bestehende Unterscheidung zwischen zentraler Pressearbeit auf der einen und absatzorientierter Pressearbeit auf der anderen Seite bestätigt. Entsprechend verantwortete das „Pressebureau“, wie die Centralstelle mittlerweile hieß, die Veröffentlichung des ersten Kundenmagazins, das das gesamte Arbeitsgebiet von Siemens zum Gegenstand hatte. Die „Mitteilungen aus den Gesellschaften Siemens & Halske / Siemens-Schuckertwerke“ richteten sich sowohl an Kunden als auch an die Fachöffentlichkeit; ihre erste Ausgabe erschien im Juli 1913. Allerdings wurde die Zeitschrift bereits nach einem knappen Jahr wieder eingestellt.
Mit dem Ziel, die Verbindungen zur Tagespresse zu intensivieren, übernahm im Mai 1922 mit Helmut Böttcher ein erfahrener externer Journalist die Leitung des Pressebüros. Die Unternehmensleitung nutzte die Bekanntgabe dieser Personalie, um erneut darauf hinzuweisen, dass im Interesse einer einheitlichen und konsistenten Außendarstellung „der gesamte Verkehr mit Redaktionen […] ausschliesslich durch das Pressebureau […] erfolgen muss.“ In seiner Eigenschaft als Leiter der zentralen Pressestelle nahm Böttcher auch die Schriftleitung der seit 1919 erscheinenden „Siemens Wirtschaftlichen Mitteilungen“, der Vorgängerin der heutigen SiemensWelt, wahr.
Das Pressebureau, das seit 1917 der sogenannten Wirtschaftspolitischen Abteilung unterstand, existierte bis in die 1960er Jahre. Mit Ende der Wiederaufbauphase und dem allmählichen Übergang von Verkäufer- zu Käufermärkten gewann die Unternehmenskommunikation für die klare Differenzierung konkurrierender Hersteller und Produkte in jenen Jahren kontinuierlich an Bedeutung. Oder wie Gerd Tacke, der erste Vorstandsvorsitzende der Siemens AG, rückblickend formulierte: Es begann sich die Erkenntnis durchzusetzen, „daß die Öffentlichkeitsarbeit des Unternehmen eines Tages aus einem Guß’ werde sein müssen.“
Im Juli 1968 war es dann soweit: Mit Gründung der „Zentralstelle für Information (ZI)“ wurde erstmals in der langjährigen Geschichte des Hauses eine zentrale Anlauf- und Auskunftsstelle etabliert, die Medienvertreter und Interessenten aus dem Kreis der allgemeinen Öffentlichkeit mit produktbezogenen, technischen und wirtschaftlichen Informationen über das Gesamtunternehmen versorgte. Mit Koordination und Intensivierung der regionalen Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im In- und Ausland verbunden war das Ziel, Außenstehenden ein widerspruchsfreies, einheitliches und positives Bild des Elektrokonzerns zu vermitteln.
Sabine Dittler
Zum Weiterlesen
Astrid Zipfel, Public Relations in der Elektroindustrie. Die Firmen Siemens und AEG 1847 bis 1939, Köln u. a. 1997