Werner von Siemens, um 1864.
Werner von Siemens wurde als viertes von 14 Kindern einer Gutspächterfamilie in Lenthe bei Hannover geboren. Er verließ 1834 ohne formalen Abschluss das Gymnasium, um sich über den Eintritt in die preußische Armee Zugang zu einer ingenieurwissenschaftlichen Ausbildung zu verschaffen. Die dreijährige Fachausbildung an der Artillerie- und Ingenieurschule in Berlin schuf eine solide Grundlage für seine zukünftigen Arbeiten auf dem Gebiet der Elektrotechnik.
Im Jahr 1847 konstruierte Werner von Siemens einen Zeigertelegrafen, der den bisher verwendeten Apparaten bei weitem überlegen war. Damit war der Grundstein für die „Telegraphen-Bauanstalt von Siemens & Halske“ gelegt, die Werner von Siemens am 1. Oktober 1847 gemeinsam mit dem Universitätsmechaniker Johann Georg Halske in Berlin gründete und zu einem führenden, schon bald nach der Gründung international operierenden, weltweit zu den größten Elektrofirmen zählenden Unternehmen entwickelte.
Neben seiner unternehmerischen Tätigkeit widmete sich Werner von Siemens intensiv der wissenschaftlichen Forschung. 1866 gelang ihm seine für die Elektrotechnik wohl bedeutendste Leistung, als er auf Arbeiten Faradays aufbauend das dynamoelektrische Prinzip entdeckte und damit der Durchbruch in der Ausnutzung der Elektrizität zur Kraftversorgung gelang. In einem atemberaubenden Tempo trat die Starkstromtechnik – wie man damals die Energietechnik nannte – ihren Siegeszug an, vorangetrieben von Siemens-Innovationen, die dem elektrischen Strom immer neue Anwendungsgebiete erschlossen: 1879 mit der ersten elektrischen Eisenbahn auf der Berliner Gewerbeausstellung und der ersten elektrischen Straßenbeleuchtung in der Berliner Kaisergalerie, 1880 mit dem ersten elektrischen Aufzug in Mannheim und 1881 mit der weltweit ersten elektrischen Straßenbahn der in Berlin-Lichterfelde.
Werner von Siemens hat sich damals aber nicht nur durch seine technischen Innovationen und gewagten Unternehmungen, sondern auch auf sozialem Gebiet den Ruf eines fortschrittlichen Unternehmers erworben. Mit zahlreichen sozialpolitischen Initiativen war er seiner Zeit weit voraus, so begründete er zum Beispiel 1872 mit einer Pensions- Witwen- und Waisenkasse die betriebliche Altersversorgung – das war mehr als ein Jahrzehnt vor der Gründung der gesetzlich geregelten Alters- und Hinterbliebenenversorgung.
Neben seiner wissenschaftlichen und unternehmerischen Tätigkeit engagierte sich Werner von Siemens auch für gesellschaftspolitische Belange. Als Abgeordneter der Deutschen Fortschrittspartei gehörte er von 1862 bis 1866 dem Preußischen Landtag an. Er setzte sich für den Patentschutz ein und wurde 1877 Mitglied des Reichspatentamtes. 1879 beteiligte er sich an der Gründung des Elektrotechnischen Vereins, der die Einrichtung von Lehrstühlen für Elektrotechnik an Technischen Hochschulen förderte. Als Mäzen betätigte sich Werner von Siemens auch bei der Gründung der Physikalisch-Technischen Reichsanstalt im Jahr 1887. Neben finanziellen Mitteln stellte er für den Bau des Instituts in Charlottenburg ein Grundstück zur Verfügung.
In Anerkennung seiner Verdienste für Wissenschaft und Gesellschaft erhielt Werner von Siemens im Laufe seines Lebens zahlreiche Auszeichnungen: darunter die Ehrendoktorwürde der Philosophischen Fakultät der Universität Berlin (1860), die Aufnahme in die Königlich Preußische Akademie der Wissenschaften zu Berlin (1873) oder die Ernennung zum Ritter des Ordens „Pour le Mérite für Wissenschaften und Künste“ (1886). Im Jahr 1888 wurde er von Kaiser Friedrich III. in den Adelsstand erhoben.
Werner von Siemens verstarb am 6. Dezember 1892 in Berlin.
Dr. Frank Wittendorfer
Zum Weiterlesen
Werner von Siemens, Lebenserinnerungen. Hrsg. v. Wilfried Feldenkirchen, München/Zürich 2008.