Dr. Rune Elmqvist und Dr. Ake Senning, 1993.
Im Herbst 1958, mit nur 43 Jahren, scheint für den Schweden Arne Larsson das Leben fast vorbei. Er leidet an Herzrhythmusstörungen, die sich durch eine Virusinfektion akut verschlimmert haben. 28 Schläge pro Minute schafft sein Herz noch – das eines Gesunden schlägt zirka 70-mal in der Minute. Larsson verliert ständig das Bewusstsein und muss täglich 20-30-mal wiederbelebt werden. Eine Chance auf Heilung besteht kaum. Doch seine Frau Else-Marie will sich mit dem bevorstehenden Schicksal ihres Mannes nicht abfinden. Aus der Zeitung erfährt sie, dass der Kardiologe Professor Ǻke Senning im Karolinska Hospital in Stockholm gemeinsam mit dem Arzt und Ingenieur Dr. Rune Elmqvist an der Entwicklung eines implantierbaren Herzschrittmachers arbeitet. Frau Larsson ist überzeugt, dass dies die Rettung für ihren Mann ist – obwohl die Experimente bis dahin nur mit Tieren gemacht wurden und eigentlich kein geeignetes Gerät für einen Menschen zur Verfügung steht.
Dank der unermüdlichen Überzeugungskraft seiner Frau wird Arne Larsson am 8. Oktober 1958 in einer geheim durchgeführten Notoperation sein erster Herzschrittmacher implantiert. Dr. Rune Elmqvist, der diesen weltweit ersten Schrittmacher entwickelt hatte, war Ingenieur bei Siemens-Elema und hatte zuvor auch als Kardiologe gearbeitet. Aus Zeitmangel goss er die Komponenten des ersten Geräts in einem einfachen Kunststoffbecher mit Epoxydharz aus. Zwei Elektroden, die mit dem Schrittmacher verbunden waren, gaben die Stimulationsenergie an das Herz ab. Dieses erste Modell musste aber schon nach wenigen Stunden gegen einen neuen Schrittmacher ausgetauscht werden. Die Technologie entwickelte sich jedoch schnell weiter. Immer komplexere Modelle berücksichtigten die spezifischen Anforderungen des kranken Herzens. Heute ist der Herzschrittmacher mit einer Lebensdauer von zehn Jahren Standard in der modernen Kardiologie.
Arne Larsson wurde 86 Jahre alt, überlebte sogar seine Lebensretter und verbrauchte insgesamt stolze 26 Herzschrittmacher. Dank der kleinen Geräte konnte er ein aktives Leben führen, in dem Radfahren, Segeln, Tanzen und Flugreisen bald wieder wie selbstverständlich dazugehörten. Dr. Rune Elmqvist kommentierte die Herzschrittmacher-Technologie 1983 auf einem Kongress in Wien: „Ich muss zugeben, dass ich am Anfang den Schrittmacher mehr oder weniger für eine technische Kuriosität hielt. Deshalb ist es fantastisch gewesen, der enormen Entwicklung zu folgen.“ 1994 veräußerte Siemens das komplette Schrittmachergeschäft an den amerikanischen Konzern St. Jude Medical.
Doris-Maria Vittinghoff