Buchcover „Die Geschichte von Gostilitzy“, Schwerin 2009
Carl von Siemens machte sich vor allem durch sein Engagement in Russland einen Namen. 1853 reiste er nach Sankt Petersburg, um den Bau des bei Siemens & Halske in Auftrag gegebenen russischen Telegraphennetzes zu überwachen. Dabei bewährte er sich schnell als entscheidungsfreudiger und kompetenter Unternehmer. 1855 wurde das russische Geschäft unter seiner Leitung in eine Zweigniederlassung umgewandelt und etablierte sich als wichtige Stütze des Berliner Stammhauses. 1869 ging Carl nach England, wo er über ein Jahrzehnt das Geschäft seines Bruders Sir William unterstützte. Anfang der 1880er Jahre kehrte er nach Petersburg zurück und gab dem russischen Geschäft neuen Auftrieb. Für seine Verdienste um die industrielle Entwicklung Russlands wurde Carl Siemens 1895 von Zar Nikolaus II. in den Adelsstand erhoben.
1889 erwarb Carl von Siemens das Gut Gostilitzy, dessen Geschichte weit ins 17. Jahrhundert zurückreicht und eng mit dem russischen Zarenhof verbunden ist. Entsprechend beginnt der von Bodo von Dewitz und Ludwig Scheidegger herausgegebene Bildband mit Peter dem Großen, der 1703 in der Newa-Mündung St. Petersburg erbauen ließ, und endet mit der Revolution von 1918, als die letzte Besitzerin von Gostilitzy , Baronin Marie von Graevenitz, eine Tochter Carl von Siemens’, Russland verlassen musste.
Für das aufwändig gestaltete Buch wurden unzählige Dokumente und historische Abbildungen von Gostilitzy beziehungsweise seinen Besitzern zusammengetragen sowie aktuelle Fotografien angefertigt; auf diese Weise entstand eine außerordentlich dichte und facettenreiche Dokumentation des Ortes. Ein ausführliches Kapitel behandelt die Familie von Carl von Siemens als kommentierte Portraitgalerie, bevor die vollständig abgedruckten Erinnerungen der Wera Zum Wald-Mertens, die in der Zeit nach der Russischen Revolution zwischen 1918 und 1925 auf dem Gut lebte, das letzte deutsche Kapitel von Gostilitzy beschreiben.
Die interessante Bilddokumentation ist im Thomas Helms Verlag Schwerin erschienen und kostet 48 Euro (ISBN 978-3-033-01533-3).
21.01.2010 | Sabine Dittler