Munich, 04.Dezember 2007
Energieeffizienz und Schonung der Umwelt ist ein Schwerpunkt der Erfindungen bei Siemens. Sechs der zwölf nun geehrten „Erfinder des Jahres“ haben sich mit ihren Beiträgen zur Forschung und Entwicklung diesem Thema verschrieben. Am 3. Dezember zeichnete der Vorstandsvorsitzende Peter Löscher in München besonders herausragende Erfinder des Unternehmens aus. Das preisgekrönte Spektrum reicht vom CO2-freien Kohlekraftwerk, einem revolutionären und energiesparenden Antriebskonzept für Züge bis zu neuen bildgebenden Verfahren in der Magnetresonanz- und Computertomographie. Insgesamt meldete Siemens im Geschäftsjahr 2007 5.060 Patente an, denen rund 8.300 Erfindungsmeldungen der weltweit rund 32.500 Forscher und Entwickler zugrunde liegen.
„Wenn wir über Innovationsführerschaft sprechen, dann sprechen wir über herausragende technische Leistungen und damit über herausragende Menschen wie Sie“, sagte Löscher zu den Erfindern. „Sie stehen in der Tradition des Unternehmensgründers Werner von Siemens, der vor 160 Jahren Antworten auf die großen Fragen der Menschheit fand, so wie Sie mit Ihren Innovationen heute Antworten liefern für effizientere Energieversorgung, die intelligente Fertigung der Zukunft oder eine möglichst effiziente Gesundheitsversorgung.“
Siemens vergibt die Auszeichnung „Erfinder des Jahres“ seit 1995 jährlich an zwölf herausragende Forscher. „Unsere Erfindungen setzen Trends, und Patente sind eine wesentliche Säule des Geschäftserfolgs“, sagte Forschungsvorstand Hermann Requardt. So sind Siemens-Entwicklungen rund um Gasturbinen mit mehreren hundert Patenten abgesichert. Die weltweit leistungsstärkste und umweltfreundlichste Gasturbine wird Ende Dezember im bayrischen Irsching erstmals in Betrieb gehen.
Der Gesamtbestand der Patente betrug im abgelaufenen Geschäftsjahr rund 50.700. Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Plus von 15 Prozent*. „In den Bereichen Energieübertragung, Automatisierungstechnik und Medizintechnik verzeichneten wir einen überdurchschnittlichen Zuwachs bei den Erfindungsmeldungen – und zwar bis zu 40 Prozent“, sagte Winfried Büttner, Leiter der Patentabteilung von Siemens. „Das zeigt unsere Innovationsstärke. Mit so einer gezielten Selektion steigern wir auch die Qualität unseres Patentportfolios.“
Weniger Umweltbelastung beim Abbau von Ölsand
Chad Felch (35) aus Rothschild, Wisconsin (USA), hat maßgeblich dazu beigetragen, die Ölgewinnung aus Teersanden in Kanada umweltverträglicher zu gestalten. Der Prozess von Felch verwendet die so genannte Zimpro-Nassluftoxidation, die 90 Prozent des Rußes zersetzt und so die Abfallmenge drastisch reduziert. Die enthaltenen Schwermetalle können sogar wieder gewonnen und als wertvoller Rohstoff verkauft werden.
Radikaler Ansatz für CO2-freie Kraftwerke verbessert Wirkungsgrad
Frank Hannemann (44) aus Erlangen hat die kohlendioxidfreie Verstromung von Kohle, den Integrated Gasification Combined Cycle (IGCC)-Prozess, weiterentwickelt und will so einen höheren Wirkungsgrad erzielen. Hannemanns Erfindung könnte auch bei der Nutzung von regenerativen Energieträgern wie Biomasse eine wichtige Rolle spielen, die so effizienter genutzt werden könnte.
Kontrastmittel im Computertomographen bietet neue Einblicke in den Körper
Björn Heismann (36) aus Forchheim entwarf neue Einsatzmöglichkeiten für die Computertomographie mit Hilfe von Kontrastmitteln und einer speziellen Aufnahmetechnik. Mögliche zukünftige Anwendungsgebiete sind die Identifikation von Herzmuskelfunktionalitäten nach einem Infarkt, die Klassifizierung von Tumoren in der Onkologie oder die Charakterisierung von Gefäßablagerungen.
Metros mit Direktantrieb – und ab geht der Zug
Andreas Jöckel (40) aus Ruhstorf bei Passau entwickelte einen völlig neuen Antrieb, der bald U-Bahnen, Metros und Regionalzüge in der ganzen Welt bewegen könnte. Ein Prototyp ist bereits im Münchner U-Bahn-Netz unterwegs, zunächst ohne Passagiere bei nächtlichen Testfahrten. Ab Januar soll er aber im ganz normalen Betrieb eingesetzt werden.
(siehe auch Martin Teichmann)
Service in der Industrie – Flexibilität ist das Erfolgsgeheimnis
Rupert Maier (47) aus Erlangen hat verschiedene Software-Anwendungen entwickelt, die die Wartung von Industrieanlagen vereinfachen. Ob Mess- und Diagnosesysteme für Anlagen oder Verfahren zur schnelleren Versorgung mit Ersatzteilen – die Erfindungen helfen dem Nutzer, Potenziale zur Optimierung zu heben, Gefahren frühzeitig zu erkennen oder Störungen schneller zu beheben.
Neue Elemente bei Bewegungs- und Brandmeldern sorgen für Sicherheit ohne Fehlalarme
Kurt Müller (63) aus Zug in der Schweiz erhöhte die Flexibilität von Infrarot-Bewegungsmeldern und reduzierte so die Zahl der Fehlalarme. Diese Bewegungsmelder werden zur Einbruchssicherung eingesetzt. Für eine neue Brandmeldereihe von Siemens hat Müller zudem eine Blitzleuchte erfunden, die aus jedem Blickwinkel gut sichtbar ist und trotzdem einen geringen Strombedarf hat.
Mehr Sicherheit durch RFID-Armbänder für Patient und Krankenhaus
Alfred Pohl (44) aus Wien verbesserte die Sicherheit von Patienten in Krankenhäusern mit RFID-Systemen. Funkarmbänder mit einem RFID-Chip wurden bereits in einem Pilotprojekt am New Yorker Krankenhaus Medical Jacobi Center mit 200 Patienten mit Erfolg auf ihre Praxistauglichkeit erprobt. Entwickelt wurde auch eine RFID-Uhr, die Position und Herzfrequenz des Trägers versenden kann.
Neues Kühlsystem optimiert Gießharztransformatoren
Fritz Sorg (59) aus Kirchheim unter Teck hat die Kühlung von Transformatoren optimiert und damit ihre Lebensdauer und Leistungsfähigkeit erhöht. Die verbesserte Kühlung sorgt schon beim Bau der Gießharztransformatoren dafür, dass weniger Rohstoffe gebraucht werden. Der Clou: Auch bereits gebaute Geräte können problemlos nachgerüstet werden.
Ein neues Leichtgewicht revolutioniert den urbanen Schienenverkehr
Martin Teichmann (41) aus Graz entwarf ein revolutionäres Konzept für Triebfahrwerke von Zügen, das weniger Energie verbraucht, Platz spart und viel weniger wiegt. Insgesamt ist das neue Fahrwerk um rund zwei Tonnen pro Fahrwerk leichter als heutige Technologie. Bei einem vierteiligen U-Bahnzug können bei gleichem Energieaufwand etwa 200 Personen mehr mitfahren.
Kleine Schaltbox bringt große Leistung - Entwicklung eines kostengünstigen, völlig neuen 1.5T MRT
Jian Min Wang (45) aus Shenzhen in China vereinfachte die Aufnahmetechnik von Magnetresonanztomographen und ermöglichte so die Produktion eines besonders kostengünstigen Einsteiger-Geräts. Er erreichte zwei Ziele, die im ersten Moment unvereinbar erschienen: Kostenreduktion durch eine auf die Kernqualität reduzierte Signalempfangskette und gleichzeitig die Integration der komplexen Tim-Aufnahmetechnologie durch eine innovative Schaltlogik.
Kostengünstigere Anbindung durch Aktor-Sensor-Interface
Bernhard Wiesgickl (50) aus Amberg hat die Kommunikation zwischen Sensoren oder Motoren und dem Steuerungssystem in Fabriken vereinfacht und verbilligt. Sein Verfahren ermöglicht den Aufbau von höher verfügbaren Systemen zu niedrigeren Kosten – besonders wichtig im immer intensiveren Wettbewerb der industriellen Kommunikationssysteme.
Schneller sortiert, schneller zugestellt – neues Speichermodul für Postzentren
Armin Zimmermann (53) aus Konstanz hat ein Basismodul erfunden, das den Durchsatz bei Postsortieranlagen teilweise verdoppeln kann. Er hatte die Idee, ein automatisches Zwischenlager einzurichten, das in jeder Sortieranlage eingesetzt werden kann. Dadurch wird die Anlage besser ausgelastet, was letztlich viel Zeit bei der Sortierung spart und den Durchsatz erhöht.
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