Stillstand schadet. Vor allem in der Produktion. Und am allermeisten bei knappen Lieferterminen. Damit dies nicht passiert, hat Siemens gemeinsam mit seinen Kunden ein IT-gestütztes Serviceangebot entwickelt, das für maximale Transparenz in der Fertigung sorgt und Mehrwert schafft: ePS Network Services. Wie Siemens und seine Kunden davon profitieren, zeigt die Vernetzung eines deutschen Herstellers von hoch spezialisierten Werkzeugmaschinen mit seinem Kunden in den Niederlanden. Johannes Zuckschwerdt und Ton de Bruine berichten über ihre Erfahrungen.
LINKS – SW rüstet den Großteil seiner Werkzeugmaschinen mit SINUMERIK-Steuerungssystemen von Siemens aus, die perfekt mit ePS Network Services zusammenarbeiten.
In dieser Nacht lief alles nach Plan Gleich morgens verschafft sich Johannes Zuckschwerdt einen Überblick über die Situation der vergangenen Stunden und stellt fest: Alle Maschinen arbeiten einwandfrei, keine hat eine Störung gemeldet. Zuckschwerdt ist verantwortlich für die Entwicklung neuer Dienstleistungen bei dem mittelständischen Spezialisten Schwäbische Werkzeugmaschinen (SW) in Baden-Württemberg. Sein Arbeitgeber produziert mehrspindlige Bearbeitungszentren und Fertigungssysteme vom Feinsten – vor allem für die Automobilindustrie, die Hydraulikbranche und die Luftfahrt. Mit diesen speziell für die Serienfertigung konzipierten Bearbeitungszentren und Fertigungssystemen bearbeiten die Kunden von SW zum Beispiel Gussteile zu extrem präzisen Hydraulikventilblöcken, die heute in nahezu allen Autos weltweit eingesetzt werden. Produziert wird in großen Stückzahlen, am besten rund um die Uhr und möglichst ohne Unterbrechungen.
Verfügbarkeit und Service auf Weltklasseniveau sind die entscheidenden Faktoren für den Erfolg von SW. Zuckschwerdt und seine Kollegen können genau erkennen, wie ihre Maschinen weltweit arbeiten – egal ob sie in Mexiko, Brasilien oder China stehen. Dahinter stecken Remote Services, die sogenannten ePS Network Services, über die die Maschinen von SW via verschlüsselte Internetverbindung immer mit ihren Entwicklern in Waldmössingen verbunden sind. Dort schauen die Experten sogar in die Zukunft: »Wir erkennen frühzeitig, wenn ein Verschleißteil ausgetauscht werden muss«, sagt Peter Siegel, Initiator der Online-Services bei SW. Denn via Internet können die Spezialisten auf die zentral gespeicherten Zustandsinformationen der Maschinen zugreifen, Analysen starten, Probleme eingrenzen – und so letztlich teure Stillstände vermeiden. Dies ist dabei nur eine Seite der Medaille: Auf Basis der gewonnenen Daten kann SW seine Kunden auch beraten, wie sie ihre Maschinen noch effizienter einsetzen.
Siegel fragte sich schon vor zehn Jahren, wie das gehen könnte – den Leistungsumfang von SW ausbauen, die Kunden in aller Welt besser beraten und damit stärker an sich binden. Dann traf er 2002 Jochen Heinz von Siemens. Der hatte die passende Antwort parat: »Die Siemens ePS Network Services waren bereits marktreif«, berichtet Heinz. »Seit dieser Zeit entwickeln wir sie gemeinsam mit Partnern wie SW weiter.«
Peter Siegel erkannte schon früh die Chance, beim IT-gestützten Service ganz vorn mit dabei zu sein, und vertraute auf Siemens: »Eine enge Zusammenarbeit lag nahe, denn Siemens ist für uns bereits seit Jahren ein vertrauenswürdiger Partner«, erinnert er sich. »Wir rüsten seit mehr als 20 Jahren einen Großteil unserer Werkzeugmaschinen mit Steuerungen von Siemens aus. Aktuell setzen wir SIMODRIVE- beziehungsweise SINAMICS-Umrichter und SINUMERIK-Steuerungssysteme ein.«
Wettbewerbsvorteile dank Siemens-TechnologieDer Online-Service von Siemens verschafft SW entscheidende Vorteile im Wettbewerb – und dies jenseits von Wartung und Instandhaltung. »Mit detaillierten Diagnoseinformationen von der Maschine können wir unseren Kunden Empfehlungen geben«, erklärt Siegel, »zum Beispiel, wie sich durch verbesserte Abläufe die Produktion steigern lässt.« Das zahlt sich in Form enger Kundenbeziehungen, zusätzlicher Umsätze und wertvoller Anregungen für die Entwicklung neuer Maschinen aus. Und Siemens profitiert ebenfalls: »Mit ePS unterstützen wir unsere Kunden und die Kunden unserer Kunden«, resümiert Jochen Heinz. So eröffnen sich für alle Beteiligten neue Geschäftschancen.
OBEN – Jochen Heinz von Siemens (links) und Peter Siegel von SW tragen seit vielen Jahren zur Entwicklung der Siemens ePS Network Services bei.
LINKS – ePS Network Services sind mobil: Via Tablet-Computer greift Johannes Zuckschwerdt im Betrieb und auch von unterwegs weltweit auf die Zustandsdaten von SW-Maschinen zu.
IT-gestützter Service von SiemensDurch die Zusammenarbeit mit Siemens kann Schwäbische Werkzeugmaschinen heute weltweit Serviceleistungen anbieten. »Als hoch spezialisierter Mittelständler mit rund 300 Mitarbeitern haben wir natürlich nicht in jedem Land Servicetechniker, die unsere Kunden vor Ort betreuen können«, erklärt Johannes Zuckschwerdt. »Das ist aber auch gar nicht notwendig: Dank ePS Network Services können wir unseren Kunden in China, den USA und anderswo von unserem Stammsitz in Deutschland aus weiterhelfen.«
Die Online-Diagnose spart Zeit und Geld – besonders im sehr seltenen Moment eines Maschinenausfalls: Früher musste dann ein Spezialist zum Kunden fahren und die Maschine aufwendig untersuchen. Heute ist das einfacher: Statt um die halbe Welt zu reisen, führen die Experten von SW via Internet eine Analyse durch. Auf Basis der Logdateien kann die Ursache ermittelt und dem Kunden mit präzisen Lösungsvorschlägen geholfen werden. »So schaffen wir Sicherheit für unsere Kunden und sorgen dafür, dass sie rund um die Uhr produzieren können«, fasst Zuckschwerdt zusammen.
Eigentlich eine naheliegende Idee – ihre Umsetzung indes erforderte einen intensiven Wissensaustausch. Und viel Vertrauen: »Bei unserer gemeinsamen Entwicklung tauschen wir mit Siemens natürlich auch sensible Daten über Produkte und Dienstleistungen aus«, sagt Zuckschwerdt. »Das war für uns aber kein Problem, denn aufgrund der langjährigen Zusammenarbeit mit Siemens hat sich ein sehr enges Vertrauensverhältnis aufgebaut – nur so entstehen innovative Produkte, die beide Partner weiterbringen.«
OBEN – Die Brinks-Mitarbeiterin kann sich dank ePS Network Services darauf verlassen, dass es in laufenden Produktionen nicht zu Stillständen kommt.
LINKS – Firmeninhaber Ton de Bruine ist stolz auf die Produkte seines Unternehmens, hier zum Beispiel Ventilblöcke für aktive Federsysteme eines Automobilherstellers.
Service mit MehrwertIT-gestützter Service von Siemens bietet Mehrwert – auch für die Kunden von Schwäbische Werkzeugmaschinen. Kunden wie Brinks Metaalbewerking B. V. aus dem niederländischen Vriezenveen: Die 150 Mitarbeiter des Unternehmens arbeiten vor allem für die Automobilindustrie – zahlreiche Premiumanbieter lassen über Systemlieferanten bei Brinks beispielsweise Ventilblöcke für Cabrio-Verdecksteuerungen oder aktive Federsysteme fertigen. Und auch führende Hersteller von Landmaschinen stehen auf der Kundenliste des Zulieferers.
Die SW-Maschinen in Vriezenveen laufen rund um die Uhr und stellen Serien von mehreren Zehntausend Stück pro Produkt her, die Brinks’ Kunden akkurat und zeitgenau an ihren Fertigungsstraßen erwarten. Das setzt Spitzenqualität voraus: »Wenn bei uns eine Maschine ungeplant stehen bleibt, bekommen wir sofort Probleme mit der Einhaltung unserer Lieferzeiten«, berichtet Firmeninhaber Ton de Bruine. »Weil unsere Produktion 24 Stunden läuft, können wir bei einer Störung selbst durch Überstunden kaum etwas herausholen.«
Also darf einfach nichts passieren. Dafür setzt Brinks seit einigen Jahren auf den Online-Service von Schwäbische Werkzeugmaschinen. »Das ist für uns nicht nur bei einer akuten Störung wichtig, weil wir dann sofort Unterstützung aus Deutschland bekommen«, erklärt der Brinks-Chef. »Mit seiner Hilfe können wir auch Wartung und Pflege unserer Maschinen über ihren gesamten Lebenszyklus viel besser planen.« Dank der detaillierten Informationen über den Zustand der Spindeln, Achsen und weiterer wichtiger Maschinenkomponenten wissen die Brinks-Mitarbeiter immer ganz genau, wann es wieder Zeit für den Austausch eines Verschleißteils ist.
Geplanter Stillstand statt Störung – das bringt keine Liefertermine mehr durcheinander. »In den vergangenen Jahren haben wir eng mit Johannes Zuckschwerdt zusammengearbeitet und die vielen Möglichkeiten des Online-Services schätzen gelernt«, sagt Ton de Bruine. Und obwohl er selbst kein Computer-Freak ist und auf seinem Schreibtisch auch kein PC steht, will er auf den bewährten Online-Service künftig nicht mehr verzichten: »Alle Maschinen werden bei uns mit diesem System ausgestattet.« Bei der Entscheidung spielte auch sein Vertrauen in die Datensicherheit eine wichtige Rolle: »Ich bin mir hundertprozentig sicher, dass unsere Daten bei Siemens und Schwäbische Werkzeugmaschinen in guten Händen sind.«
LINKS – Peter Siegel (links) hat noch viele Ideen für die SW-Online-Services. Sein langjähriger Siemens-Partner Jochen Heinz nimmt die Anregungen gern auf.
OBEN – Heute noch selten, aber morgen wahrscheinlich ganz normal: Zugriff auf die Zustandsdaten einer Werkzeugmaschine mit dem Tablet-Computer.
Das sehen auch die anderen Kunden von Schwäbische Werkzeugmaschinen so. »Rund 90 % setzen inzwischen auf ePS Network Services«, berichtet Peter Siegel, der heute die Früchte seines frühen Engagements für den Online-Service ernten kann. »Mit seiner Hilfe können wir die Zustandsdaten der Maschinen ideal im Blick behalten und unsere Kunden optimal bedienen – dadurch haben wir in den vergangenen Jahren viel Vertrauen aufgebaut. Hier zeigt sich, dass der Service maßgeblich dafür verantwortlich ist, ob eine langjährige Kundenbindung entsteht.« Kein Wunder also, dass sich SW künftig noch stärker durch seine Dienstleistungen und Beratungskompetenz von den Wettbewerbern abheben will – vor allem mit proaktiven Serviceleistungen, die den Kunden helfen, ihre Produktion optimal am Laufen zu halten.
Siegels langjähriger Siemens-Partner Jochen Heinz sieht in der Online-Überwachung von Anlagen viel Potenzial für die Zukunft. Er fasst seine Erfahrungen zusammen: »Am Beispiel der Werkzeugmaschinen haben wir gelernt, welche Algorithmen, Architekturen und Geschäftsmodelle wir brauchen«, sagt er. »Eine präzise Zustandsüberwachung über das Internet ist für viele Siemens-Kunden wichtig – in den Bereichen Industrie, Infrastruktur, Energie und Medizin gibt es bereits heute ähnliche Anwendungen, die für eine noch größere Zuverlässigkeit und gesteigerte Produktivität der installierten Anlagen sorgen.«
Entscheidend sind die Kosten über den gesamten Lebenszyklus. Stillstände von Maschinen und ungeplante Wartungen sind gefürchtete Kostentreiber in der Fertigung. Immer mehr Industrieunternehmen achten bei ihren Investitionsentscheidungen daher auf die Gesamtbetriebskosten. In die Berechnung fließen nicht nur die Anschaffungs- und Verbrauchskosten, sondern auch die Verfügbarkeit und Produktivität der Maschinen ein. Wer Instandhaltungs- und Produktionsprozesse technisch und organisatorisch am besten beherrscht, hat einen eindeutigen Wettbewerbsvorteil. Deshalb bietet Siemens seinen Kunden umfangreiche Industrieservicedienstleistungen, unsere Industry Services. Zu ihnen zählen auch die Siemens ePS Network Services zur Fernüberwachung.
Siemens ePS Network Services liefern Daten, auf deren Basis sich die Gesamtkosten einer Maschine über ihren Lebenszyklus berechnen lassen.
Internetplattform mit höchster Datensicherheit. Siemens bietet seinen Kunden mit ePS Network Services ein modernes System der Zustandsüberwachung. Es liefert Informationen, mit denen sich die Service- und Instandhaltungsprozesse weltweit verbessern lassen. So steigern sich Produktivität und Verfügbarkeit von Maschinen. Die Basis bildet eine Internetplattform, über die die Serviceprozesse gesteuert werden. Ein mehrstufiger Zugriffsschutz und hochverfügbare Server garantieren höchste Datensicherheit und -verfügbarkeit. Siemens ePS Network Services umfassen zwei Aspekte:
ePS Diagnostic Services: Hersteller von Maschinen können damit weltweit den Zustand ihrer Maschinen überwachen. Die angeschlossenen Maschinen senden ihre Diagnosedaten und Messwerte regelmäßig an die ePS-Server. Unterstützt durch entsprechende Algorithmen und Automatismen, können die Hersteller Ursachen von Fehlern schneller finden und analysieren.
ePS Condition Monitoring: Mit dieser Technologie können Zustand und Verschleiß von Maschinen genau beobachtet werden – so lassen sich Trends frühzeitig erkennen, und die Servicetechniker haben Zeit, geeignete Maßnahmen zu ergreifen. Wichtige Kenngrößen werden via Internet überwacht – wird ein Grenzwert überschritten, erhalten die zuständigen Mitarbeiter automatisch eine E-Mail oder eine SMS. Der ganzheitliche Blick auf die Maschine ermöglicht eine präventive und zustandsorientierte Instandhaltung. So lässt sich der optimale Zeitpunkt für eine Wartung frühzeitig festlegen, und damit sind Anlagen schneller wieder verfügbar und arbeiten produktiver.
Ein Gewinn für alle Beteiligten. Von optimierten IT-gestützten Serviceprozessen profitieren Betreiber und Hersteller von Maschinen gleichermaßen – und das mehrfach: Sie können ihre Maschinen produktiver einsetzen, mit perfektem Service im Wettbewerb punkten und gleichzeitig ein lukratives neues Geschäftsfeld erschließen. So schafft Siemens mit innovativen Technologien Mehrwert für sich und seine Kunden.