Vertrauen beruht auf Nähe

»Moderne Infrastruktur bringt die Region voran.«

Bangalore ist mit knapp 8,5 Mio. Einwohnern die drittgrößte Stadt Indiens und gilt wegen ihrer vielen Beschäftigten in der IT, Raumfahrt und Biotechnologie als das »Silicon Valley Indiens«. Dies verdankt die Region ihrer modernen Infrastruktur: Sie bringt den Bundesstaat Karnataka mit mehr als 60 Mio. Einwohnern voran.

Teil dieser beeindruckenden Infrastrukturentwicklung ist der Bengaluru International Airport. Er entstand in einer wegweisenden Zusammenarbeit von Staat und Privatwirtschaft (Public Private Partnership) auf Initiative und mit Beteiligung von Siemens. In enger und vertrauenswürdiger Partnerschaft gelang es, dieses Mammutprojekt zu einem großen Erfolg zu führen. G V Sanjay Reddy berichtet über seine Erfahrungen. Wie kaum ein anderer kennt er die spezifischen Anforderungen an eine zukunftsweisende Infrastruktur des Subkontinents, ist er doch zugleich Vorsitzender der geschäftsführenden Gesellschaften der internationalen Flughäfen in Bangalore und Mumbai.

Links – Bereits heute leben rund 8,5 Mio. Menschen in Bangalore – Tendenz steigend. Gefragt ist deshalb eine leistungsstarke Infrastruktur, die mit dieser Entwicklung Schritt halten kann.

Reportage/ nach oben Siemens Corporate Technology ist seit 2004 in Bangalore ansässig. Hier forschen Siemens-Mitarbeiter unter anderem in den Bereichen Softwaretechnologien und dezentralisierte Energiesysteme.

»Unsere Vision: Bangalore – das Tor nach Südindien« G V Sanjay Reddy hat eine Vision vor Augen. Sein Ziel: Bangalore – im Volksmund auch Bengaluru genannt – soll das »Tor nach Südindien« werden. Und hierzu will er mit seinem Unternehmen beitragen. Seit 2011 hält der indische Mischkonzern GVK die Mehrheit der Anteile an der Flughafengesellschaft des Bengaluru International Airport. Reddy, stellvertretender Vorsitzender von GVK und zugleich geschäftsführender Direktor des Flughafens, sieht darin mehr als ein geschäftliches Engagement: »Wir denken weit darüber hinaus. Wir haben bei unseren Aktivitäten die Interessen und Erwartungen der Stadt sowie der gesamten Region im Auge.«

Und G V Sanjay Reddy kann hier aus dem Vollen schöpfen. Nur wenige Regionen der Welt entwickeln sich so rasant wie Indien. Die Wirtschaft wächst seit 2004 jährlich um mehr als 8 %, und die Region um Bangalore profitiert davon besonders. Mehr als jeder zweite Einwohner ist inzwischen aus einem anderen Teil Indiens oder der Welt zugewandert – viele sind qualifizierte IT-Fachkräfte. Sie sind bei in- und ausländischen Computer- und Hochtechnologiefirmen beschäftigt, die die Stadt zu einem Zentrum der indischen Softwareindustrie machen und ihr das Prädikat »indisches Silicon Valley« eingebracht haben. Zwischen 2001 und 2011 wuchs die Einwohnerzahl der Stadt samt Umland um fast 50 %. Nach Mumbai und Delhi ist Bangalore mit rund 8,5 Mio. Einwohnern heute die drittgrößte Stadt Indiens und eines der bedeutendsten Wirtschafts- und Handelszentren des Landes. Damit dieses Wachstum nachhaltig abgesichert werden kann, muss der Ausbau der Infrastruktur mit ihm Schritt halten.

G V Sanjay Reddys Vorgänger fingen zu Beginn des neuen Jahrtausends quasi bei null an. Damals erkannte die Regierung des Bundesstaats: Nur mit einer modernen Infrastruktur ist wirtschaftliches Wachstum möglich. Was der Regierung fehlte, waren die öffentlichen Mittel, diese aufzubauen. Und sie brauchte einen starken Partner, einen Partner, den sie in Siemens fand. Das Unternehmen hat in zahlreichen Projekten auf der ganzen Welt gezeigt, wie man mit innovativen Verkehrslösungen, effizienter Energieversorgung und modernen Krankenhäusern ein Umfeld schaffen kann, in dem die Wirtschaft zum Wohl der Bevölkerung wächst.

Links – G V Sanjay Reddy ist stellvertretender Vorsitzender des indischen Mischkonzerns GVK und in dieser Funktion zugleich geschäftsführender Direktor der internationalen Flughäfen von Mumbai und Bangalore.

Siemens ist seit 1867 in Indien aktiv. Heute beschäftigt der Konzern etwa 17.700 Mitarbeiter vor Ort.

»Public Private Partnership – ein Erfolgsrezept für Indien«Beim Bengaluru International Airport beispielsweise brachte Siemens nicht nur technische Lösungen für eine zukunftsweisende Infrastruktur ein, sondern beteiligte sich auch an seiner Finanzierung. Erste Ansätze reichen bis in die frühen 1990er-Jahre zurück. Damals entstand die Idee einer sogenannten Public Private Partnership. Gemeint ist die enge Zusammenarbeit von Staat und privater Wirtschaft bei öffentlichen Aufgaben. G V Sanjay Reddy sieht darin ein »Erfolgsrezept für die indische Wirtschaft«. Und dies gleich aus zwei Gründen, wie Reddy im Gespräch festhält. Zum einen die finanzielle Dimension: »Der indische Staat verfügt nicht über die finanziellen Mittel, die Infrastrukturmaßnahmen zu schaffen, die wir dringend benötigen. Allein für die kommenden fünf Jahre rechnet die Regierung mit erforderlichen Infrastrukturen im Gegenwert von rund 1 Bill. US$ – Ausgaben, die der öffentliche Sektor nicht allein stemmen kann.« Der indische Staat setzt deshalb verstärkt auf private Investitionen. Zum anderen sieht Reddy darin auch große Vorteile für die Privatwirtschaft: »Der private Sektor kann noch stärker nach der besten Lösung für die jeweilige Anforderung suchen.« Im Fall des internationalen Flughafens von Bangalore beispielsweise hieß diese Lösung Siemens.

Siemens ebnete den Weg zur privaten Finanzierung des staatlichen Vorhabens und beteiligte sich anschließend selbst an der neuen Flughafengesellschaft Bangalore International Airport Limited (BIAL). Siemens Project Ventures (SPV), eine Geschäftseinheit von Financial Services (SFS), erwarb 40 % der Anteile; jeweils 17 % lagen beim Bauunternehmen Larsen & Toubro Ltd. und bei Unique Zurich Airport. Die übrigen 26 % teilten sich zum Projektstart die Regierung des Bundesstaats Karnataka und die indische Bundesregierung. Damit bewahrt sich der Staat ein Kontroll- und Mitspracherecht an dem strategisch wichtigen Infrastrukturprojekt. »Das gilt bis heute«, so G V Sanjay Reddy, »denn nach indischem Gesellschaftsrecht bilden diese 26 % eine Sperrminorität.«

Die unternehmerische Verantwortung für den gesamten Flughafen liegt weitgehend bei der BIAL. Zur Refinanzierung ihrer Investition erhielt die Eigentümer- und Betreibergesellschaft vom indischen Staat eine langfristige Konzession, Gebühren von Fluggesellschaften und Passagieren zu erheben.

OBEN / Links – Bangalore soll das »Tor nach Südindien« werden – eine wichtige Voraussetzung dafür ist der internationale Flughafen. Im Tower laufen alle zentralen Informationen zusammen.

Links – Unzählige Maschinen starten täglich vom Bengaluru International Airport und verbinden Südindien mit der ganzen Welt.

Mit dem unternehmensweiten Ansatz »Siemens One« bieten wir systematisch und sektorübergreifend maßgeschneiderte Komplettlösungen etwa für Hotels, Krankenhäuser oder Flughäfen. Dahinter steht der Gedanke des integrierten Technologiekonzerns: »Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile«.

In Rekordzeit zum ersten Abflug von der neuen Startbahn Nach jahrelanger Vorarbeit ging es mit dem Bau des Bengaluru International Airport besonders schnell. Im Juli 2005 begannen die Arbeiten 35 Kilometer nördlich des Stadtzentrums. Nur 33 Monate später hob im Mai 2008 die erste Maschine im Linienverkehr von der neuen Startbahn ab.

Die Umsetzung verlief zügig und reibungslos, denn der modernste Flughafen Asiens hatte sich für eine maßgeschneiderte technische Komplettlösung von Siemens entschieden. Das Unternehmen spielte vor Ort seine besonderen Stärken voll aus. Stärken, die sich aus seiner Aufstellung als integrierter Technologiekonzern ergeben. Wie bei anderen Großprojekten zeigte Siemens vor Ort seine gebündelte Infrastrukturkompetenz. So wurden sämtliche Teillösungen für den Bengaluru International Airport vorab intern aufeinander abgestimmt. Dem »Siemens One«-Ansatz folgend, beriet ein Managementteam für Großkunden die Projektgesellschaft entlang aller Entwicklungsschritte.

Siemens ging die Herausforderungen zielstrebig an: die elektrischen Systeme schlüsselfertig errichten, die Gebäude mit Energie versorgen, passgenaue IT-Lösungen installieren sowie entsprechende Mobilitätslösungen bereitstellen – alles geschah im Rekordtempo. Das Leistungspaket umfasste die komplette Abwicklung: planen, liefern, installieren, in Betrieb setzen. Und das Engagement war mit der Eröffnung des Flughafens nicht beendet, wie G V Sanjay Reddy anerkennend erzählt: »Siemens spielte von Anfang an eine sehr aktive Rolle bei der Umsetzung des Projekts. Unser Mitstreiter betrachtet Aufgaben umfassend – aus einem 360 °-Winkel – und lösungsorientiert. Das macht Siemens für uns zu einem starken, verlässlichen und vertrauenswürdigen Partner.«

G V Sanjay Reddy, geschäftsführender Direktor, Bangalore International Airport Limited »Mit Siemens haben wir einen starken, verlässlichen
und vertrauenswürdigen Partner gefunden.
Die Kombination aus führenden Technologiepositionen und konsequentem Nachhaltigkeitsanspruch
macht Siemens für uns besonders wertvoll.«

Steigende Passagierzahlen machen Erweiterung erforderlich 2008 hoben die ersten Flugzeuge vom neuen Bengaluru International Airport ab. Damals lebten 7 Mio. Menschen in der Stadt, heute sind es bereits knapp 8,5 Mio. Einwohner. Die Region und ihr Flughafen wachsen mit hohem Tempo: Im Geschäftsjahr 2010 / 2011 zählte der Flughafen mit rund 12 Mio. Passagieren fast 12 % mehr als im Vorjahr – bei den ersten Plänen Ende der 1990er-Jahre war man noch von 3,7 Mio. Passagieren jährlich ausgegangen. Erweiterungen sind erforderlich, und Siemens ist erneut mit von der Partie: Wir sind unter anderem verantwortlich für Sicherheitseinrichtungen und elektrische Installationen – vom Design bis zur Inbetriebnahme, also Infrastrukturlösungen aus einer Hand.

Parallel zur erfolgreichen wirtschaftlichen Entwicklung des Flughafens fährt Siemens sein finanzielles Engagement wie geplant zurück. Im Geschäftsjahr 2012 hat das Unternehmen die Veräußerung von 14 % der Anteile an der Betreibergesellschaft Bangalore International Airport Limited bekannt gegeben. Käufer ist die GVK Power & Infrastructure Limited von G V Sanjay Reddy. Mit 26 % hält Siemens aber auch weiterhin einen entscheidenden Anteil an der Gesellschaft.

G V Sanjay Reddy blickt nach vorn. Er will beim weiteren Ausbau des Bengaluru International Airport nachhaltige Akzente setzen: »Nachhaltigkeit hat für mein Unternehmen wie auch für Siemens einen hohen Stellenwert. Die Auszeichnung des Flughafens mit dem renommierten Golden Peacock Environment Award im Jahr 2012 ist für uns Anerkennung und Ansporn zugleich, bestätigt er doch unsere gemeinsamen Aktivitäten in der Vergangenheit genauso, wie er Maßstäbe für die Zukunft setzt. Wir wollen uns weiterhin konsequent dafür einsetzen, das ökologische Gleichgewicht zu erhalten und die nachteiligen Einflüsse auf die Umwelt zu minimieren. Siemens leistet hierzu einen sehr wertvollen Beitrag.«

RECHTS – Dank innovativer Siemens-Technologien geht das Einchecken am Bengaluru International Airport besonders schnell.

Zusammenfassung/ nach oben
Siemens-Infrastrukturlösungen aus einer Hand

Überall auf der Welt sind intelligente Infrastrukturlösungen von Siemens im Einsatz. Der Bau des Bengaluru International Airport ist somit nur ein Beispiel von vielen, das zeigt, wie wir die Leistungsfähigkeit des integrierten Technologiekonzerns eindrucksvoll unter Beweis stellen. Wir – das ist zunächst die sektorübergreifende Großkundenbetreuung (Key-Account-Management) von Siemens. Sie steht den Verantwortlichen vor Ort – wie bei Großprojekten dieser Art bei Siemens üblich – über alle Phasen zur Seite, von den ersten Plänen bis zum Service und zur Instandhaltung im laufenden Betrieb. Und sie sorgt dafür, dass die gesamte Kompetenz des Unternehmens zum Einsatz kommt. So werden Teillösungen unserer Sektoren und Divisionen zu einer abgestimmten Gesamtlösung zusammengestellt und passgenau für die jeweiligen Bedürfnisse aufbereitet. Siemens erspart seinen Kunden damit wertvolle Zeit und sorgt für eine optimale Betreuung, und zwar rund um den Globus. In unserem Sektor Infrastructure & Cities haben wir zudem das umfangreiche Infrastrukturportfolio von Siemens gebündelt und bieten integrierte Produkte, Lösungen und Servicedienstleistungen aus einer Hand an – von Mobilitäts- und Logistiklösungen über intelligente Stromverteilungssysteme bis hin zu effizienten Gebäudetechnologien. Mit Financial Services (SFS) verfügen wir zudem über einen international tätigen Finanzdienstleister, der mit seiner Expertise und Industriekompetenz Infrastrukturprojekten wie dem Bengaluru International Airport erst zum Durchbruch verhilft.

 

Ein Herzstück der Siemens-Lösungen am Bengaluru International Airport sind unsere IT-Lösungen. Sie vernetzen sämtliche Anwendungen der IT-Landschaft des Flughafens und verbinden diverse unabhängige IT-Lösungen verschiedener Anbieter zu einem strukturierten und flexiblen Ganzen. Alle Beteiligten profitieren damit von einem vereinfachten Datenaustausch mit optimierten und beschleunigten Prozessen.

Siemens hat die erforderlichen Technologien im 
Portfolio und verfügt über jahrzehntelange Erfahrung
aus Hunderten von erfolgreich abgeschlossenen
Infrastrukturprojekten weltweit.

Die Überwachungsanlage und das Alarmmanagement des Flughafens sind mit einem Gefahrenmanagementsystem von Siemens ausgestattet. Es bündelt alle Informationen der Siemens-Teilsysteme für Sicherheit und Brandschutz in einem zentralen Kontrollraum. Angeschlossen sind unter anderem die Zutrittskontrolle mit 105 Lesegeräten, die Audio- und Sprachevakuierung mit 650 Lautsprechern, das Brandmeldesystem mit 1.800 Rauch-, Wärme- und Flammenmeldern, die Einbruchmeldeanlage mit 100 Detektoren sowie die Videoüberwachung mit 60 Kameras.