Der 15-jährige Christian aus dem schwäbischen Beuren ist an Krebs erkrankt. Im Sommer 2011 stellten die Ärzte bei ihm einen Tumor in der Bauchspeicheldrüse fest. Dank einer Kombination aus Chemotherapie und Bestrahlung konnte Christian geholfen werden.
Bei seiner Behandlung hat der neue Biograph mMR von Siemens eine wichtige Rolle gespielt: Durch die Kombination aus Magnetresonanztomographie (MRT) und Positronen-Emissions-Tomographie (PET) konnten Christians Ärzte von der Tübinger Universitätsklinik die Gestalt und den Stoffwechsel des Tumors detailliert beobachten. So lieferte ihnen das Gerät wichtige Informationen über den Verlauf der Therapie.
LINKS – Ein entspannter Junge, der zuversichtlich in die Zukunft blickt: Christian ist wieder mitten im Leben.
Das Wichtigste ist die Gewissheit: Die Therapie hat angeschlagen. »Der Tumor ist weg, zum Glück«, sagt Christian. Endlich wieder ein normales Leben führen. Endlich wieder Schule statt Krankenhaus. »Ich will als Nächstes meinen Abschluss machen und dann eine Ausbildung anfangen.« Ein Moment der Freude, gut ein Jahr nach dem großen Schock vom Sommer 2011: Erst fühlte sich Christian krank, dann verfärbten sich seine Augen und sein Gesicht gelb. Die Diagnose der Klinik Reutlingen: ein fortgeschrittener Tumor in der Bauchspeicheldrüse, der den Abfluss der Galle blockiert. »Es war unbeschreiblich: Tränen, Wut, Zorn, Trauer – ich wusste nicht, wohin mit meinen Gefühlen«, erinnert sich Christians Mutter an diesen Schicksalstag.
Kontrolluntersuchung im Biograph mMRDie Spezialisten in Tübingen begannen sofort mit dem Kampf gegen den Tumor. »Ich habe erst mal vier Monate Chemotherapie bekommen, dann Bestrahlung und danach noch einmal vier Monate Chemotherapie«, berichtet der 15-Jährige. »Nach jeder zweiten Behandlung haben sie mich in die Röhre gesteckt, um zu kontrollieren, wie gut die Chemotherapie anschlägt.« Die Röhre, wie Christian den Siemens Biograph mMR nennt, ist eine neuartige Kombination aus Magnetresonanz- und Positronen-Emissions-Tomograph. Das Gerät kann gleichzeitig Strukturen im Körper und ihren Stoffwechsel sichtbar machen. In Christians Fall geht es um die Frage: Sind in seiner Bauchspeicheldrüse noch Tumorzellen zu sehen? Und wenn ja: Wie aktiv sind sie? Bei den Untersuchungen hatten die Tübinger Krebsspezialisten immer Christians besondere Situation im Blick. »Kinder sind eben keine kleinen Erwachsenen, sodass wir auf viele Dinge Rücksicht nehmen müssen – bei der Auswertung der Signale ebenso wie bei der Dauer der Untersuchungen«, erklärt Christians Arzt Professor Dr. Jürgen Schäfer.
OBEN – Ein Sommerspaziergang im heimatlichen Beuren. Nach einem Jahr voller Sorgen kann die Familie ihre gemeinsame Zeit jetzt wieder genießen.
OBEN – Professor Dr. Jürgen Schäfer bespricht mit Christian die bevorstehende Untersuchung im Siemens Biograph mMR. Sie soll zeigen, ob der Tumor noch aktiv ist.
LINKS – Christian mit seiner Mutter und seiner Schwester auf dem Weg zur Untersuchung in der Tübinger Universitätsklinik.
Für Christian war das vergangene Jahr eine belastende Zeit der Ungewissheit. »Ich habe oft darüber nachgedacht, ob der Tumor größer oder kleiner wird«, erinnert er sich. »Wenn er kleiner wurde, war es natürlich schön und ein Zeichen dafür, dass die Chemo wirkt. Das hat mich zum Weiterkämpfen motiviert.« Aufgeben kam für ihn sowieso nie infrage: Nach dem ersten Schock hatte er sich fest vorgenommen, immer optimistisch zu bleiben. Zum Glück lieferten die Untersuchungsergebnisse der Ärzte gute Gründe für seine Zuversicht. Die Bilder des Biograph mMR zeigten den Radiologen gleichzeitig, wie sich die Größe des Tumors während der Behandlung veränderte und wie sich sein Stoffwechsel entwickelte – ein wichtiger Hinweis auf seine Aktivität.
Heute ist ein wichtiger Tag für den jungen Patienten. Lebenswichtig: Mit seiner Mutter und seiner Schwester ist Christian in die Tübinger Universitätsklinik gekommen, wo der Erfolg seiner Krebstherapie überprüft werden soll. Im gemusterten Krankenhauskittel legt er sich dafür auf eine Liege im Untersuchungsraum, bevor er erneut mit dem Biograph mMR untersucht wird.
Nach einer halben Stunde ist die Untersuchung vorbei, und einige Tage später hat Professor Dr. Schäfer nach gründlicher Auswertung der Bilder gute Nachrichten für seinen jungen Patienten. »Im Moment sieht es sehr gut aus«, sagt der Leiter der Kinderradiologie in der Abteilung für Diagnostische und Interventionelle Radiologie. »Die funktionellen beziehungsweise metabolischen Befunde zeigen, dass die Therapie erfolgreich war: Der Tumor zeigt keine vermehrte Stoffwechselaktivität mehr.«
RECHTS – Christian bei der Vorbereitung der Untersuchung mit dem Siemens Biograph mMR.
OBEN – Ein Assistent legt Christian die Kanüle für das Kontrastmittel.
Größere Sicherheit dank exzellenter BildgebungBei Christian waren bei der vorangegangenen Untersuchung zwar noch kleine Reste des bösartigen Gewebes zu sehen, doch die waren offensichtlich völlig inaktiv. »Genau deswegen sind wir so froh, dass wir jetzt die Kombination aus morphologischem und funktionellem Befund haben«, sagt Professor Schäfer. »Denn morphologisch ist immer noch ein ganz kleiner Rest zu sehen gewesen – funktionell aber Gott sei Dank nicht mehr.«
Seit März 2011 arbeiten die Tübinger Ärzte mit dem Biograph mMR. Für Christians Mutter war von Anfang an klar, dass sie die neue Diagnosemöglichkeit für ihren Sohn nutzen wollte. »Die Ärzte haben uns gesagt, dass es ein neues Gerät gibt und dass sie Christian damit untersuchen könnten«, erinnert sie sich. »Ich war sofort einverstanden, und jetzt kann ich sicher sein: Die Therapie hat angeschlagen.«
OBEN – Gleich wird Christian auf der Liege in das Magnetfeld des MR-PET »gefahren«.
RECHTS – Professor Dr. Claussen leitet die Radiologische Universitätsklinik in Tübingen.
OBEN – Professor Dr. Claussen (links) und Professor Dr. Schäfer in der Tübinger Universitätsklinik.
Herr Professor Claussen, die Universitätsklinik Tübingen arbeitet seit März 2011 mit dem Biograph mMR von Siemens. Wofür ist er Ihrer Erfahrung nach besonders gut geeignet?
Professor Dr. Claussen: Es gibt zurzeit drei Einsatzgebiete für den Biograph mMR: Rund 90 % der Anwendungen betreffen die Onkologie; hier können wir die Stadieneinteilung eines Tumors erkennen und den Verlauf einer Therapie kontrollieren. Hinzu kommen die Hirndiagnostik – insbesondere bei neurodegenerativen Erkrankungen – sowie Stoffwechselveränderungen im Bereich des Herzmuskels. Mit dem Biograph mMR ist es nun möglich, Veränderungen und Verläufe am lebenden Organismus im Detail gleichzeitig sichtbar zu machen – ein großer Gewinn. Die simultane MR-PET-Aufnahme eröffnet präzise morphologische und funktionelle Einblicke in den menschlichen Körper. Punktgenau lassen sich so selbst die kleinsten pathologischen Veränderungen sichtbar machen, zum Beispiel in der Leber, im Gehirn und im Knochenmark.
Wie lange träumen Sie schon von einer solchen Kombination aus MRT und PET?
Professor Dr. Claussen: In den 1970er-Jahren hat sich die Computertomographie etabliert, und seitdem träumen wir davon, Struktur und Form der Anatomie zusammen mit ihrer Funktion sichtbar zu machen. Zu Beginn der 1980er-Jahre wurde dann die dynamische Computertomographie nach Kontrastmittelinjektion entwickelt; so konnten wir die Durchblutung in Organen und Tumoren beobachten. Mit dem Positronen-Emissions-Tomographen (PET) ist es möglich, bestimmte Stoffwechselaktivitäten im Körper zu lokalisieren, doch leider war hier die räumliche Auflösung noch sehr gering. Bessere Ergebnisse erhalten wir durch die Kombination von CT und PET in den PET-CT-Scannern. Der deutlich höhere Weichteilkontrast der MRT weckte dann vor etwa zehn Jahren weitere Hoffnungen – und heute haben wir den Biograph mMR.
Was ist die besondere technische Herausforderung beim Biograph mMR?
Professor Dr. Claussen: Die konventionellen PET-Detektoren wurden im starken Magnetfeld des Magnetresonanztomographen gestört. Deshalb mussten neue Detektoren für den Einsatz in Kombination mit der Magnetresonanztomographie entwickelt werden. Professor Dr. Bernd Pichler hat dafür in unserem Labor für Präklinische Bildgebung an einem Tier-Scanner sehr wichtige Vorarbeiten geleistet, bevor wir diese neue Technologie dann gemeinsam mit Siemens im ersten kombinierten MRT-PET-Kopf-Scanner einsetzen und testen konnten. Das Beispiel zeigt übrigens, wie wichtig es für ein forschendes und entwickelndes Industrieunternehmen wie Siemens ist, das Potenzial seiner Kunden im Rahmen von Forschungskooperationen (Open Innovation) zu nutzen.
OBEN – Die Aufnahmen von Christian mit dem Biograph mMR zeigen eine Bauchspeicheldrüse ohne Tumoraktivitäten.
RECHTS – Professor Dr. Schäfer wertet die Bilder aus, die der Biograph mMR von Christians Körper aufgenommen hat.
Die Universitätsklinik Tübingen und Siemens kooperieren ja schon seit vielen Jahren bei der Entwicklung innovativer bildgebender Verfahren. Was macht diese Zusammenarbeit aus?
Professor Dr. Claussen: Sie beruht auf einem großen Vertrauen, das über die Jahre immer weiter gewachsen ist – wir waren eine der ersten Universitätskliniken, die einen Kooperationsvertrag mit Siemens hatten, und seitdem haben wir viele neue Siemens-Produkte evaluiert. Beim zukunftsweisenden MR-PET-Verfahren war die Fachwelt zunächst sehr skeptisch, aber Siemens hat an den Erfolg geglaubt – und das zahlt sich aus.
Welche Patienten profitieren besonders vom Biograph mMR?
Professor Dr. Claussen: Vor allem Kindern und Jugendlichen hilft diese neue Methode, da die Strahlendosis während einer Aufnahme deutlich niedriger ausfällt als bei bisherigen Untersuchungsmethoden – ein enormer Vorteil, da wir gerade bei diesen jungen und besonders strahlenempfindlichen Krebspatienten die Wirkung der Medikamente häufig kontrollieren müssen.
Welche Erkenntnisse erwarten Sie für die Forschung?
Professor Dr. Claussen: Das ganze Potenzial dieser Hybridtechnologie aus MRT und PET ist noch gar nicht abzusehen. Wir haben neue Therapieoptionen und können viel früher erkennen, wie Therapien ansprechen – das wird uns, was die Behandlungsqualität betrifft, sicherlich einen großen Schritt weiterbringen. Aber es wird bestimmt noch Jahre dauern, bis wir alle Auswirkungen dieser Innovation auf die Medizin ermessen können.
Was wünschen Sie sich von Siemens für die nächste Generation der bildgebenden Diagnosegeräte?
Professor Dr. Claussen: Es sind natürlich immer Wünsche offen – sonst würden wir ja das Träumen aufgeben. Dass wir heute am lebenden Organismus funktionelle und physiologische Prozesse bis auf die molekulare Ebene sichtbar machen können, ist bereits ein wichtiger Erkenntnisgewinn. Noch vor 20 Jahren konnte sich das niemand vorstellen. Allerdings stehen wir hier noch ganz am Anfang, und deshalb wünsche ich mir, dass in Zukunft die Zuverlässigkeit der Diagnosen noch höher wird. Aber der erste Schritt ist getan! Das ist ein großer Moment für die Bildgebung und die gesamte Medizin.
RECHTS – Der Siemens Biograph mMR wird für die nächste Untersuchung vorbereitet.
Es sind zwei bildgebende Verfahren, die sich perfekt ergänzen: Während die Magnetresonanztomographie (MRT) millimetergenaue Bilder von den Organen des Körpers liefert, macht die Positronen-Emissions-Tomographie (PET) vor allem den Stoffwechsel der Zellen sichtbar. Der Siemens Biograph mMR ist das weltweit erste Gerät, das MRT und PET in einem integrierten System vereint: Mit ihm können Ärzte in einer einzigen Untersuchung die Funktion, den Stoffwechsel und die Veränderung von Organen gleichzeitig beobachten.
Für die Patienten bedeutet das: Diagnosen bei geringerer Belastung in kürzerer Zeit – statt mehrerer Aufnahmen mit unvermeidlichen Wartezeiten können die Ärzte jetzt alle Bilder in einem Durchgang aufnehmen. Dank der Kombination von MRT und PET sinkt auch die Strahlendosis für die Patienten im Vergleich zu anderen herkömmlichen Bildgebungsverfahren.
Früher waren für diese Untersuchungen zwei getrennte Geräte nötig, da herkömmliche PET-Detektoren Probleme mit dem starken Magnetfeld von MRT-Scannern haben. Die Aufnahmen mussten nachträglich mithilfe von Software überlagert werden, was ihre Genauigkeit verringerte – denn die Lage des Patienten und seiner Organe verändert sich zwischen den Scans. Im Siemens Biograph mMR kommen neue PET-Detektoren zum Einsatz, die von dem starken Magnetfeld der MRT nicht gestört werden. Das neue Gerät kann deshalb alle Daten simultan erheben und selbst feinste Details und funktionelle Prozesse aufzeichnen. Auch die Kliniken profitieren vom Siemens Biograph mMR: Er vereinfacht die Arbeitsabläufe und spart Raum- und Betriebskosten für ein zweites System. Davon profitieren weltweit immer mehr Patienten.