Position auf den Wachstumsmärkten stärken
Die sogenannten BRIC-Staaten (Brasilien, Russland, Indien und China) sowie die aufstrebenden Staaten Asiens, Südamerikas und des Nahen und Mittleren Ostens verzeichnen ein ausgeprägtes Wirtschaftswachstum, an dem wir teilhaben wollen. Unser strategisches Ziel lautet: den Umsatzanteil in den Schwellenländern steigern und so unsere Position auf den Wachstumsmärkten stärken.
Bereits in den vergangenen Jahren ist Siemens in den Schwellenländern überdurchschnittlich gewachsen. Der dort erzielte Umsatz legte im Geschäftsjahr 2011 gegenüber dem Vorjahr um 11% zu und stieg damit stärker als der Gesamtumsatz von Siemens. Er ist damit bereits für ein Drittel unseres Konzernumsatzes verantwortlich.
Das kräftige Wirtschaftswachstum in den Schwellenländern schafft eine starke Nachfrage nach Lösungen für die gesamte Energieversorgungskette, einer patientenorientierten und bezahlbaren Gesundheitsversorgung der Menschen sowie nach integrierten Infrastrukturlösungen für Industrien und Städte. Die folgenden Beispiele belegen dies:
Der im Jahr 2011 verabschiedete zwölfte Fünfjahresplan der chinesischen Regierung sieht umfangreiche Investitionen mit einem Volumen von über 430 Mrd. € vor in erneuerbare Energien, intelligente Stromnetze (Smart Grids) sowie Elektromobilitätslösungen. Nicht zuletzt sollen auch deutliche Investitionen in das landeseigene Gesundheitssystem fließen.
Indien will bis zum Jahr 2020 zusätzlich 200 Gigawatt Strom erzeugen, um den wachsenden Energiebedarf des Landes zu decken.
In Russland wiederum sollen allein für den Ausbau des Schienenverkehrs knapp 300 Mrd. € bis zum Jahr 2030 investiert werden.
Bereits diese Beispiele zeigen: Das Potenzial für neues Geschäft ist weltweit vorhanden. Wir arbeiten daran, es mit unserem umfassenden Portfolio noch besser für uns zu erschließen.
Kennzeichnend für die Schwellenländer ist ihr großer Bedarf an preiswerten Produkten und Lösungen, die den lokalen Kundenbedürfnissen gerecht werden. Siemens stellt sich dieser Herausforderung mit der SMART-Initiative: SMART steht für »Simple«, »Maintenance friendly«, »Affordable«, »Reliable« und »Timely to market« – also: einfach, wartungsfreundlich, kostengünstig, zuverlässig und zeitnah am Markt.
Ein Beispiel hierfür stammt aus der industriellen Automatisierungstechnik: das SIMATIC Smart HMI. HMI steht für »Human Machine Interface«, also die »Mensch-Maschine-Schnittstelle«, die beim Steuern und Überwachen von industriellen Automatisierungsvorgängen wichtig ist. In China ist Siemens heute der unangefochtene Marktführer im mittleren und höheren Marktsegment, im Einstiegssegment allerdings haben wir noch Nachholbedarf. Hier setzt die SMART-Version an. Ganz der SMART-Philosophie folgend, haben unsere Entwickler vor Ort in enger Abstimmung mit ihren Kollegen in Deutschland ein Produkt entworfen, das den Bedürfnissen der chinesischen Kunden entspricht, einfach zu bedienen ist und darüber hinaus deutlich preisgünstiger ausfällt.
Unser Magnetresonanztomograph (MRT) MAGNETOM ESSENZA ist ein weiteres gutes Beispiel. Das Gerät wurde in enger Zusammenarbeit mit den chinesischen Kollegen entwickelt und wird sowohl in Deutschland als auch in China produziert. Als hocheffizientes 1,5-Tesla-MRT-System überzeugt es unter anderem durch einen vergleichsweise geringen Installationsaufwand und Energieverbrauch.
Der zunehmende Stromverbrauch stellt die Schwellenländer vor langfristige Herausforderungen. So braucht etwa Indien viele neue Mittelspannungsschaltanlagen. Dieser Markt ist hart umkämpft und von regionalen technischen Anforderungen geprägt. Auf Basis einer weltweit einheitlichen Produktplattform haben unsere Mitarbeiter in Indien eine Schaltanlage entwickelt, die neue Aufträge einbringt. Im Geschäftsjahr 2012 werden wir dort eine neue Produktionsstätte für Mittelspannungsschaltanlagen auf Basis unserer weltweit gültigen Qualitätsstandards in Betrieb nehmen.
Siemens hat derzeit in den Schwellenländern über 160 SMART-Produkte beziehungsweise -Produktlinien im Portfolio – von Röntgengeräten über Dampfturbinen bis zur Eisenbahn-Signaltechnik; Dutzende weitere stehen vor der Markteinführung. SMART-Produkte tragen für Siemens nicht nur zur Umsatzsteigerung und zu verbesserten Marktpositionen bei, sie sind auch Beispiele für den Ausbau unserer lokalen Präsenz und Wertschöpfung. Denn führende Marktpositionen in den Schwellenländern setzen langfristig mehr als nur lokale Produktionsstätten voraus. Wir wollen den Freiraum für Entscheidungen vor Ort stärken, übertragen die unternehmerische Verantwortung immer öfter in die betreffenden Regionen und etablieren hier komplette Wertschöpfungsketten. Indem wir zum Beispiel Rohstoffe, Fertigprodukte und Dienstleistungen in der Region und damit im gleichen Währungsraum einkaufen, erreichen wir eine wettbewerbsfähige Kostenposition und können zudem Währungsrisiken reduzieren, denen ein weltweit agierendes Unternehmen natürlicherweise ausgesetzt ist.
Auch zusätzliche Forschungs- und Entwicklungszentren richten wir in den überproportional wachsenden Regionen ein. Nicht zuletzt steigern wir damit die Attraktivität von Siemens als Arbeitgeber für potenzielle Führungskräfte und hoch qualifizierte Hochschulabsolventen vor Ort. Das stärkt nachhaltig unsere Position auf den Wachstumsmärkten.