Reportage São Paulo
São Paulo – auf dem Weg in eine nachhaltige Zukunft?
Treffpunkt: Prefeitura Municipal São Paulo, 26. August 2011, 10:00 Uhr
Im historischen Zentrum von São Paulo trifft Sergio Boanada, Siemens-Manager für Stadt- und Infrastrukturkunden, auf Alda Marco Antonio, die Vize-Bürgermeisterin der Stadt. Gemeinsam machen sie sich auf den Weg und diskutieren die Herausforderungen, mit denen sich gerade São Paulo als eine der größten Städte der Welt konfrontiert sieht – Herausforderungen auf vielen Gebieten: der Verkehrs- und Energieinfrastruktur, der Stadtentwicklung und nicht zuletzt der medizinischen Grundversorgung seiner Bürger.
Herausforderungen, die zukunftsorientierter Lösungen bedürfen. Lösungen, wie sie Siemens schon heute bereithält.
- __Sergio Boanada (im Bild links)
- Integrierte Lösungen für Städte, Infrastrukturen und Großereignisse – das sind die Aufgaben, mit denen sich Sergio Boanada seit Jahren für Siemens in Brasilien befasst. Er steht im Dialog mit den Stadtverantwortlichen des Landes und berät sie bereits frühzeitig, in der Planungs- und Entstehungsphase ihrer Vorhaben. Zudem engagiert sich Sergio Boanada in verschiedenen politischen und gesellschaftlichen Institutionen, unter anderem in der deutsch-brasilianischen Außenhandelskammer.
- __Alda Marco Antonio (im Bild rechts)
- Alda Marco Antonio ist seit 2006 Vize-Bürgermeisterin von São Paulo. Als studierte Hygieneingenieurin setzt sie sich mit Nachdruck für eine nachhaltige Entwicklung ihrer Stadt ein. Zuvor war sie Sozialreferentin der Präfektur São Paulo sowie Staatssekretärin für Jugendfragen des Bundesstaats São Paulo. In dieser Funktion rief sie mehr als ein Dutzend Initiativen und Hilfsprogramme für Straßenkinder ins Leben, von denen einige mittlerweile von UNICEF, dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, an anderen Orten der Welt übernommen wurden.
- 01__Sergio Boanada
- Was zeichnet für Sie eine »grüne« Stadt aus? Was macht sie Ihrer Meinung nach nachhaltig?
- 02__Alda Marco Antonio
- Eine »grüne« Stadt ist für mich zunächst einmal eine autarke Stadt. Das bedeutet konkret: eine Stadt, die für sich selbst sorgt, bewusst für ihre Bürger einsteht, das Wohlergehen ihrer Bewohner im Auge hat, die Flüsse sauber und die Luft rein hält. Also eine Stadt, die sich aus eigenem Antrieb bemüht, einen Beitrag zu leisten für den Erhalt unseres Planeten.
- 03__Sergio Boanada
- Welche Maßnahmen ergreift São Paulo, um die Stadt nachhaltig weiterzuentwickeln?
- 04__Alda Marco Antonio
- Die Stadt hat zum Beispiel den öffentlichen Personennahverkehr auf den Prüfstand gestellt. Unsere Metro bedient ein verhältnismäßig kleines Verkehrsnetz; auf rund 70 km Schiene werden täglich bis zu 4 Mio. Passagiere befördert. Hauptverkehrsmittel der Stadt ist der Bus: Jeden Tag nutzen 8 Mio. Menschen rund 15.000 Busse – mit den entsprechenden Auswirkungen auf Klima und Umwelt. Erste Schritte zu einer Verbesserung dieser Situation haben wir unternommen: Indem wir die Fahrzeuge und die Infrastruktur umweltfreundlicher planen, leisten wir einen wichtigen Beitrag zur nachhaltigen Stadtentwicklung. Einige Busse wurden beispielsweise auf Ethanolbetrieb umgestellt, andere werden durch Oberleitungen elektrisch betrieben. Dies ist allerdings keine zufriedenstellende Lösung, da die Oberleitungen einerseits sehr störanfällig sind und andererseits nicht zur Verschönerung des Stadtbilds beitragen. Bei der Verkehrsinfrastruktur gibt es also noch ein großes Potenzial, das sich erschließen ließe.
- 05__Sergio Boanada
- Die Verantwortlichen der Stadt São Paulo haben in den vergangenen Jahren Erstaunliches geleistet: Führt man sich das signifikante Bevölkerungswachstum vor Augen, und das über einen kurzen Zeitraum hinweg, dann verdient die Stadt zunächst einmal ein großes »Parabéns«, einen herzlichen Glückwunsch, für ihr Handeln. Doch haben Sie, Frau Vize-Bürgermeisterin, auf einen zentralen Aspekt hingewiesen: die Verkehrsinfrastruktur. Hier kann Siemens helfen. Wir haben der Stadtregierung bereits einige Ideen vorgestellt. Schon heute sind wir technologisch an der fahrerlosen Metro »Line 4-Yellow« beteiligt. Auch dem Thema Elektrobusse wenden wir uns zu. Hierzu haben wir Gespräche über eine elektrisch betriebene Buslinie aufgenommen, ein Buskonzept, das ohne die derzeit im Einsatz befindlichen und leider anfälligen Oberleitungen auskommt und damit flexibler und dennoch umweltfreundlich genutzt werden kann.
- 06__Alda Marco Antonio
- Das klingt sehr gut, und ich bin äußerst gespannt zu sehen, wie ein solcher Ansatz dazu beitragen kann, die Verkehrsinfrastruktur der Stadt zu verbessern. Mein Ideal ist ein São Paulo, das sauber ist, den CO2-Ausstoß deutlich reduziert hat und einen lebenswerten wie sicheren Raum für alle seine Bewohner bietet. Das wäre ein Zustand, der mich in meiner Arbeit bestätigen würde.
- 07__Sergio Boanada
- Welchen Faktor erachten Sie als wesentlich für São Paulo, um an einer nachhaltigen Stadtentwicklung weiterarbeiten zu können? Finanzielle Mittel, innovative Technologien oder eine entschlossen handelnde Politik?
- 08__Alda Marco Antonio
- Entsprechende finanzielle Mittel sind schon ein wesentlicher Aspekt. Unsere Müllentsorgung ist beispielsweise bereits heute sehr gut geregelt, auch die Verwertung von Brauchwasser funktioniert gut. Eine große Herausforderung ist derzeit der Umgang mit Abwässern in unseren Nachbarstädten. Hier gibt es genügend Möglichkeiten für Verbesserungen, die aber nennenswerte Investitionen erfordern und zudem noch von drei unterschiedlichen politischen Instanzen bewilligt werden müssen: vom Land, vom Staat und von den jeweiligen Stadtverwaltungen.
- 09__Sergio Boanada
- Wenn man die Umweltbilanz von São Paulo und der umliegenden Gemeinden verbessern will, dann sind das Aufbereiten von Abwasser und das Erzeugen von sauberem Trinkwasser ein wichtiges Thema, da kann ich Ihnen, Frau Vize-Bürgermeisterin, nur zustimmen. Ein Gebiet, auf dem Siemens eine Vielzahl verschiedener Lösungen anbietet, die hier genutzt werden könnten. Mit dem hierfür maßgeblichen Unternehmen Sabesp arbeiten wir bereits zusammen und freuen uns darauf, weitere unserer weltweit erprobten Technologien auch hier vor Ort zum Einsatz zu bringen.
Lassen Sie mich ein Thema ansprechen, das zurzeit die Menschen bewegt: die Fußball-Weltmeisterschaft im Jahr 2014 und die Olympischen Sommerspiele zwei Jahre später. Zusätzlich zu den infrastrukturellen Herausforderungen: Wie gehen Sie mit dem Thema Sicherheit um? Wie lässt sich die Situation auf diesem Gebiet verbessern?
- 10__Alda Marco Antonio
- Zunächst einmal möchte ich festhalten, dass wir sehr glücklich sind, die Fußball-Weltmeisterschaft und die Olympischen Spiele hier in Brasilien ausrichten zu dürfen. São Paulo wird davon profitieren. Was das Thema Sicherheit angeht, so sind wir vorbereitet. Eine eigene Polizeieinheit, die »Guarda Civil Metropolitana«, kümmert sich im Verbund mit der Militärpolizei des Staats São Paulo um die Sicherheit bei der Weltmeisterschaft. Darüber hinaus leisten wir besondere Aufklärungsarbeit. Wir wollen die nach São Paulo kommenden Gäste für die Gefahren sensibilisieren, die eine 20-Millionen-Menschen-Stadt nun einmal mit sich bringt. Inwieweit die Gespräche über ein zentrales Überwachungssystem gediehen sind, muss ich erfragen.
- 11__Sergio Boanada
- Hier kann ich Positives berichten: Derzeit werden Gespräche zwischen deutschen und brasilianischen Regierungsstellen geführt, deren Ergebnis ein Finanzierungsplan für ein zentrales Überwachungssystem sein soll. Dieses System soll gewährleisten, dass 27 brasilianische Städte sicherer werden, was ein wesentlicher Beitrag für den erfolgreichen Verlauf der Weltmeisterschaft wäre. Siemens kann sich hier mit seinem technologischen Know-how einbringen und hat das in den bereits fortgeschrittenen Gesprächen deutlich gemacht. Denn auch für uns ist die bevorstehende Fußball-Weltmeisterschaft ein wichtiges Ereignis, zu dessen Gelingen wir beitragen wollen.
- 12__Alda Marco Antonio
- Das freut mich sehr. Wir müssen alles tun, um die Gefahren für die Bewohner São Paulos und unsere Gäste einzudämmen.
- 13__Sergio Boanada
- Das Gesundheitswesen scheint mit ein weiteres wichtiges Thema zu sein, über das wir noch sprechen sollten. Gemeinsam mit der Stadt São Paulo wollen wir Zentren für eine Basisgesundheitsversorgung errichten und so den Bürgern helfen, die sonst keinen Zugang zu einer medizinischen Grundversorgung haben. Vor allem bei der Früherkennung gibt es immer noch einen großen Bedarf an Medizintechnik, bei der die öffentliche Hand auf finanzielles Entgegenkommen der privaten Anbieter angewiesen ist. Und auch beim Thema Energieinfrastruktur sehe ich Potenzial für eine weitere vertrauensvolle und erfolgreiche Zusammenarbeit. Mit dem Umspannwerk in Anhanguera haben wir vor einigen Jahren unsere Kompetenz auf dem Feld gasisolierter Schaltanlagen unter Beweis gestellt. Siemens- Technologie hat heute einen großen Anteil daran, dass die Stromversorgung in São Paulo reibungslos funktioniert – und zwar über die gesamte Energieversorgungskette hinweg, also vom Erzeugen über das Übertragen bis hin zum Verteilen elektrischer Energie.
- 14__Alda Marco Antonio
- Bemerkenswert finde ich, dass Siemens sich auch dort engagiert, wo nicht unbedingt Gewinn zu erwarten ist.
- 15__Sergio Boanada
- Das Instituto Ethos ist in diesem Zusammenhang ein gutes Beispiel. Diese Organisation wird von uns im Rahmen unserer Siemens-Integritätsinitiative finanziell unterstützt. Ziel des geförderten Projekts ist es, die Chancengleichheit bei der Auftragsvergabe für Infrastrukturvorhaben anlässlich der anstehenden Großereignisse in Brasilien – der Fußball-Weltmeisterschaft und der Olympischen Spiele – zu wahren. Durch mehr Transparenz, gesamtgesellschaftliche Verantwortung und Kontrolle wird ein aktiver Beitrag geleistet, allen Anbietern gleiche Wettbewerbsbedingungen zu ermöglichen. Das geschieht durch selbstregulierende Mechanismen, zu denen sich sowohl Auftraggeber als auch Anbieter verpflichten.
- 16__Alda Marco Antonio
- Für diese Art von langfristiger Zusammenarbeit, die ich sehr begrüße, ist es von Vorteil, dass Siemens der Stadt einen dauerhaften Ansprechpartner zur Verfügung stellt, den unsere Mitarbeiter für alle Belange kontaktieren können.
- 17__Sergio Boanada
- Genau das ist die Aufgabe unserer City-Account-Manager. Als direkte Ansprechpartner kümmern sie sich um die Anfragen und Bedürfnisse ihrer Städte und können im besten Fall mit konkreten Siemens-Lösungen weiterhelfen. Wir verfügen über ein eigens auf die Anforderungen von Infrastrukturen und Städten zugeschnittenes Portfolio; die sich daraus ergebenden Möglichkeiten sind vielfältig, und im Dialog mit der Stadt wollen wir diese stets weiterentwickeln. Davon profitieren dann sowohl São Paulo als auch Siemens.