Reportage London
London lebenswerter gestalten
Treffpunkt: London, City Hall, 13. Juli 2011, 12:30 Uhr
Auf einem Spaziergang durch die Londoner Innenstadt sprechen der Vertreter der Stadt Martin Powell und Siemens-City-Account-Manager Kevin Worster über Herausforderungen und Chancen, die mit der Verbesserung urbaner Lebensqualität durch nachhaltige Infrastrukturlösungen einhergehen.
Siemens ist seit fast zwei Jahrhunderten in London aktiv und unterstützt die Stadt dabei, ihr rasantes Wachstum in den Griff zu bekommen und sich den Fragen der Zukunft zu stellen – mit Antworten, die Siemens schon heute bereithält.
- __Kevin Worster (im Bild links)
- Kevin Worster ist seit Oktober 2009 Siemens-City-Account-Manager in London. Sein Auftrag ist es, innovatives und zukunftsorientiertes Denken zu fördern und unter Einbezug des gesamten Siemens-Portfolios die richtigen Lösungen für die Herausforderungen der Stadt zu finden. Während seiner 13 Jahre bei Siemens war Worster in zahlreichen leitenden Positionen tätig.
- __Martin Powell (im Bild rechts)
- Martin Powell ist verantwortlich für Projekte der London Development Agency, die sich mit dem Klimawandel befassen. Die Einrichtung ist direkt dem Londoner Bürgermeister unterstellt und widmet sich der Förderung eines nachhaltigen städtischen Wirtschaftswachstums. Powell war zuvor leitender Projektmanager bei Network Rail, dem Eigentümer und Betreiber eines Großteils der staatlichen Bahninfrastruktur Großbritanniens.
- 01__Kevin Worster
- Martin, wie sieht Ihr Bild einer nachhaltigen Stadt aus?
- 02__Martin Powell
- Eine nachhaltige Stadt schafft es, ihre differenzierten Ansätze in den Bereichen Wasser, Energie, Müllentsorgung und Transport in einer ganzheitlichen Strategie zu bündeln, um so ihren urbanen Herausforderungen gerecht zu werden. Dabei ist es sehr hilfreich, wenn unsere Partner in der Industrie eine zentrale Anlaufstelle bereitstellen, so wie Siemens dies mit der Einrichtung des City-Account-Managements getan hat.
- 03__Kevin Worster
- Das hört man gerne. Eine solche Rolle in einem großen und vielschichtigen Unternehmen zu schaffen bedarf stets gewisser Anstrengungen. Uns ist es wichtig, möglichst früh in Entscheidungsprozesse und in die Hauptplanungsphase für urbane Infrastrukturprojekte einbezogen zu werden. Denn hier treffen Städteplaner und Architekten die wichtigsten Entscheidungen, die den weiteren Fortgang bestimmen.
- 04__Martin Powell
- Das ist sicherlich richtig. Es sind die Prozesse, bei denen wir politische Ideen mit technologischen Optionen und Budgetbeschränkungen in Einklang bringen müssen. Bei dieser Art von Gesprächen sind innovative Lösungen und Expertise eines großen Industriepartners unverzichtbar. Genauso wichtig ist jedoch, dass unser Partner selbst Entscheidungen treffen kann, und das schnell und auf der Grundlage fundierter Informationen.
- 05__Kevin Worster
- Beim Thema Nachhaltigkeit geht es auch darum, alte Lebensgewohnheiten neu zu überdenken. Welchen Beitrag kann ein Unternehmen wie Siemens dazu leisten?
- 06__Martin Powell
- Ich glaube, es gilt, die Köpfe und Herzen der Menschen gleichermaßen zu gewinnen. Siemens trägt dazu bei, indem es über sein Nachhaltigkeitszentrum »The Crystal« hier in London zeigt, was jeder von uns für mehr Nachhaltigkeit und Lebensqualität in der Stadt tun kann. Die Entwicklung und der Bau des Siemens-Centre verliefen bisher äußerst eindrucksvoll.
- 07__Kevin Worster
- Absolut. Zwischen Idee und Baubeginn für das Zentrum lagen nur sechs Monate. Sechs Monate, das ist schon so etwas wie ein neuer Maßstab für Londoner Verhältnisse. Es war ein extrem schnell auf die Beine gestelltes Projekt.
- 08__Martin Powell
- Wir mussten viele verschiedene Parteien überzeugen und mit ins Boot holen. Dabei haben wir sehr eng zusammengearbeitet. Das hat gut funktioniert, und es unterstreicht, wie verlässlich die Beziehung zwischen der Stadt und Siemens ist. Ferner bin ich der Meinung, dass unsere gemeinsame Arbeit auch im Bereich Elektrofahrzeuge noch interessante Früchte hervorbringen könnte.
- 09__Kevin Worster
- Wir müssen jetzt dafür sorgen, nicht an Fahrt zu verlieren. Eine große Herausforderung ist die Luftqualität in London. Dabei spielen vor allem Emissionen von Bussen eine Rolle. Einige Hybridbusse der Stadt verfügen bereits heute über Siemens-Technologie. Aber die größte Herausforderung besteht darin, dass es feste zeitliche Vorgaben für die Dinge gibt, die wir bis 2012 verwirklichen wollen. Und schließlich pflegen wir eine enge Partnerschaft sowohl mit der Greater London Authority als auch mit der London Development Agency. Denn auch bei der politischen Entscheidungsfindung ist es uns ein echtes Anliegen, Hindernisse zu vermeiden.
- 10__Martin Powell
- Und der Verkehr ist nur ein Aspekt unter vielen. Die größere Herausforderung besteht darin, Londons Wirtschaft so CO2-arm wie möglich zu machen. Bis 2025 wollen wir – im Vergleich zu 1990 – 60 % unserer CO2-Emissionen einsparen. Dazu müssen die Menschen umdenken und ihren Lebensstil ändern, was nicht immer einfach ist. Siemens hat uns sehr dabei geholfen, diesen Veränderungsprozess anzustoßen – und zwar ohne Einbußen bei der Lebensqualität.
- 11__Kevin Worster
- Wir sind Partner der Initiative »Low-Carbon London«, die sich zum Ziel gesetzt hat, die CO2-Emissionen zu senken. Mit UK Power Networks verbindet uns ebenfalls eine enge Partnerschaft. Zudem arbeiten wir eng mit der London Development Agency an der Realisierung eines intelligenten Stromnetzes für Londons »Green Enterprise District« zusammen, das größte städtische Revitalisierungsprojekt Europas.
- 12__Martin Powell
- Diese Zusammenarbeit ergab sich aus einem Gespräch mit UK Power Networks, Siemens und anderen Partnern. Wir erkannten die Chance, nennenswerte Investitionssummen nach London zu holen, damit wir verstehen, wie unser Netz jetzt und in Zukunft funktioniert, wie sich intelligente Technologien in unser Netz integrieren lassen und welche Fehler in anderen Städten gemacht wurden. Wir sind sehr zuversichtlich, dass sich diese Investitionen in unsere Stadt lohnen werden.
- 13__Kevin Worster
- Unser Nachhaltigkeitszentrum kann dabei helfen. Noch vor seiner offiziellen Eröffnung hat es bereits für große Begeisterung innerhalb von Siemens gesorgt. Viele Kolleginnen und Kollegen, die in anderen Städten mit ähnlichen Aufgaben betraut sind, freuen sich darauf, ihre Kunden deswegen hier nach London zu bringen.
- 14__Martin Powell
- Beim C40-Klimagipfel in São Paulo, dem der New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg vorsitzt, haben mich mehrere Personen darauf angesprochen. Sie wollten wissen, wie das Zentrum funktioniert und inwiefern London davon profitieren würde. Wir sollten die hier gewonnenen Erfahrungen sammeln und für andere Orte der Welt nutzbar machen.
- 15__Kevin Worster
- Die enge Zusammenarbeit mit den Vertretern der Stadt versetzt uns in die Lage, besser zu verstehen, welche Ziele die Stadt hat und was sie antreibt. Man muss sich wirklich in eine Stadt hineinversetzen, um ihre Ziele und Wünsche hinsichtlich Luftqualität, Gebäude- und Verkehrsinfrastruktur zu verstehen. Auf dieser Grundlage versuchen wir dann, mit unseren innovativen Produkten eine nachhaltige, intelligente Lösung zu finden.
- 16__Martin Powell
- Für uns geht es darum, zu verstehen, was Unternehmen benötigen und welche Bedingungen wir schaffen müssen, damit sie in London investieren. Wir müssen unsere politischen Strategien mit den ökonomischen Rahmenbedingungen in Einklang bringen, die für ein Unternehmen wie Siemens interessant sind. Wir müssen Unternehmen in London unsere Ziele verdeutlichen und überlegen, wie wir gemeinsam den Ruf Londons als Wirtschafts- und Investitionsstandort stärken können. Ich hoffe, dass Siemens auch in Zukunft in seine heute schon vorhandenen Technologien investiert und diese unmittelbar in London einsetzt. Die Londoner Stadtregierung muss ihrerseits heute einige wichtige Infrastrukturentscheidungen treffen, damit in 15 Jahren noch mehr Investitionen möglich sind. Besonders wichtig wäre dies für die Energieversorgung, bei der Investitionsvorhaben häufig längerfristig und schwierig sind.
- 17__Kevin Worster
- Wir sind gerade erst dabei, die ersten Schritte zu machen. In London konnten wir bereits viele Projekte umsetzen. Mit Blick auf die Zukunft gibt es jedoch noch sehr viel mehr für uns zu tun, vor allem in den Bereichen Verkehrsinfrastruktur und Energiegewinnung.